Nach der Wende wurden viele Werke verscherbelt.
Nach der Wende wurden viele Werke verscherbelt. © Marco Barnebeck (Telemarco) / PIXELIO

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Die sieben Leben der Margarethenhütte

Das Isolatorenwerk Margarethenhütte war international konkurrenzfähig. Trotzdem wurde es nach der Wende von der Treuhand verscherbelt. Der Vorfall ist ein Beispiel für die schonungslose Deindustrialisierung des Ostens und der Geringschätzung der Arbeiter. Doch das ist nicht die ganze Geschichte.

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Als die DDR noch bestand, waren die Isolatoren aus der Margarethenhütte, dem VEB Elektroporzellan Großdubrau eine wichtige Exportware. Die Arbeiter waren sich ganz sicher, nach der Wende könne es nur noch weiter bergauf gehen. Diese Hoffnungen wurden zerstört. Sie demonstrierten, besetzten das Werk und fuhren zum Protestieren nach Bonn, doch das alles war zwecklos.

Daraus machte zwanzig Jahre später die sächsische Staatsministerin Petra Köpping einen Skandal. Die Fabrik sei für eine Mark an einen Käufer aus dem Westen verscherbelt worden, der dann bei Nacht die Maschinen abtransportierte. Detlef Scheunert, der einzige Ostler unter den Treuhanddirektoren, sieht das Ganze anders. Er meint, es hätte keine andere Alternative gegeben und die Skandalisierung diene nur dazu, einen Sündenbock zu suchen.

Die Menschen in Großdubrau setzten sich gegen die Schließung ein, indem sie einen Verein gründeten. Nun dient der Verein dazu, das zu bewahren, was von ihrer Arbeit übrig ist. Ein Museum wurde eröffnet, das an die schweißtreibende Arbeit, den Alltag und die komisch anmutende Romantik der Planerfüllung erinnert. 30 Jahre danach versuchen sie nun, ihre früheren Kolleg_innen dazu zu bewegen, von ihren Erinnerungen zu erzählen. Ohne Geschichten gibt es keine Geschichte und die Erinnerung würde verblassen.

"Die sieben Leben der Margarethenhütte" im Überblick

Die sieben Leben der Margarethenhütte

von Holger Siemann

Produktion: 2020

Sendezeit Di, 22.09.2020 | 19:15 - 20:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk "Das Feature"
Radiosendung

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