Wie heißt diese Stadt jetzt nochmal?
Wie heißt diese Stadt jetzt nochmal? © Kora27 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Hörspiel

Karl Marx statt Chemnitz

Thilo Reffert macht sich Gedanken darüber, ob Chemnitz nicht wieder Karl-Marx-Stadt heißen sollte und Aufmerksamkeit nicht mehr wert als jedes ökonomische Kapital.

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Marketing macht Dinge und Orte und Menschen zu bekannten und bestenfalls begehrten. Da muss der Zusammenhang nicht so unmittelbar sein, wie bei Mozartkugeln, Schillerlocke und Washington, D.C. und jeder andere deutsche Straßenname, der an eine wichtige Personen, Herrschern, Künstlern und Denkern verweist. Da kann man auch eine Stadt im Osten zu Ehren eines Philosophen aus Trier, der Köln, Paris und London seine Wirkungsstätten hatte umbennen. Und schwupps, aus Chemnitz wurde 1953 Karl-Marx-Stadt.

Bei einer Bürgerbefragung 1990 kam raus: zwei Drittel von ihnen waren für die Rückbenennung in Chemnitz. Und schon entnannte man sie, und mit dem Namen verschwand die Erinnerung. Doch mit dem neuen Jahrtausend erfuhr der Radikalökonom eine Renaissance, die zu seinem 200. Geburtstag 2018 auf einen weltweiten Höhepunkt zusteuert - sollte dieses marketingwirksame Ereignis nicht genutzt werden? Aufmerksamkeit ist heute eigentlich schon Währung geworden.

Und Reffert gibt zu bedenken: "Sollen die politischen Aufgeregtheiten der Wende- und Nachwendezeit wirklich noch heute, im 21. Jahrhundert, den wirtschaftlichen Aufschwung einer Stadt sabotieren, die im Aufmerksamkeitsdefizit zwischen Leipzig und Dresden darbt?

Kann man ruhigen Gewissens zusehen, wie chinesisches Kapital z.B. nach Trier strömt, aber eben nicht nach Chemnitz? Es ist, nüchtern und ökonomisch betrachtet, Zeit für neue Wege in Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung. Auf dass es am Zusammenfluss von Zwönitz und Würschnitz bald heißt: Jawohl, dieser Philosoph hat unsere Welt nicht nur interpretiert, er hat sie verändert."

Zum Autor

Thilo Reffert, geboren 1970 in Magdeburg, lebt bei Berlin. Nach mehreren Theaterstücken mit "Hellas Sonntag" (MDR 2002) fürs Hörspiel entdeckt. Weitere Hörspiele u.a.: "Zett" (WDR 2004), "Queen Mary III" (MDR 2007), "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" (WDR 2008), "Nina und Paul" (DLR Kultur 2011) und "Die Entdeckung Spielofaniens" (SWR/ WDR 2015). Außerdem schreibt er für den MDR seit "Schlusslicht" (MDR 2009) die "ARD Radio Tatorte", zuletzt "Nein heißt nein" (2017). Für "Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle" (MDR 2009) wurde er mit dem "Hörspielpreis der Kriegsblinden", dem "Deutschen Hörspielpreis der ARD 2010" und dem "ARD Online Award" ausgezeichnet.

"Karl Marx statt Chemnitz" im Überblick

Karl Marx statt Chemnitz

von Thilo Reffert

Mit Regie: Stefan Kanis

Produktion: 2018

Sendezeit So, 31.03.2019 | 18:20 - 20:00 Uhr
Sendung SWR2 "Hörspiel am Sonntag"
Radiosendung

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