Goethes «Faust» inspirierte viele Komponierende, so auch den Starpianisten Franz Liszt. Er schrieb eine gut einstündige Programmsinfonie inklusive Schlusschor über die drei Hauptfiguren der Tragödie.
Nach dem Vorbild von Hector Berlioz «Symphonie fantastique», dem Flagschiff der Programmmusik, malte er mit opulenter musikalischer Sprache drei Charakterbilder: Faust als rastlos verzweifelnden Intellektuellen, dem er unter anderem ein 12-Ton-Thema zuteilt; Gretchen als personifizierte Unschuld, mit inniger Melodie und reduziertem Orchestersatz, und schliesslich der diabolische Mephisto, welcher die Faust-Themen fratzenhaft verzerrt widerspiegelt.
Liszt schuf damit ein gewaltiges, raffiniert orchestriertes Klanggemälde, das jedem Klangkörper Virtuosität abverlangt. Er brachte es im Jahr 1857 in Weimar zur Uraufführung anlässlich der Einweihung des Goethe- und Schiller-Denkmals.
Gäste von Moritz Weber sind der Musikwissenschaftler Felix Michel und die Geigerin Friederike Starkloff.
Klassische MusikTalk
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In der «Diskothek» reden wir über Musik und ihre Interpretationen. Zwei versierte Gäste mit guten Ohren vergleichen im Blindtest verschiedene Aufnahmen eines Werks und exponieren sich mit ihren Urteilen. In mehreren Hörrunden wird die Auswahl immer kleiner, bis die «beste» Aufnahme übrigbleibt – Spiel und Hörschulung zugleich. Die Werke stammen aus allen Epochen der klassischen Musik, vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
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Folge vom 20.04.2026Franz Liszt: Faust-Sinfonie für Tenor, Männerchor und Orchester
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Folge vom 13.04.2026W.A. Mozart: Hornkonzert Nr.4 Es-Dur KV 495In Mozarts Handschriften zu den Hornkonzerten finden sich nicht nur Noten, sondern auch neckische Bemerkungen an seinen Freund, den berühmten Salzburger Hornisten Joseph Leutgeb. Die beiden verband eine enge und humorvolle Beziehung. Für Leutgeb schrieb Mozart drei seiner vier Hornkonzerte – darunter das Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur KV 495, das 1786 in Wien entstand. Mozart nutzt darin die klanglichen Möglichkeiten des damaligen Naturhorns mit viel Fantasie. Weite Melodiebögen, lebendige Dialoge zwischen Solist und Orchester und überraschende musikalische Einfälle prägen das Werk. Zugleich verlangt das Konzert vom Solisten Virtuosität und ein feines Gespür für Klangfarben. Und immer wieder scheint der Komponist seinem Freund Leutgeb kleine musikalische Streiche zu spielen. Auch die Autographe belegen das: In der Handschrift des vierten Konzerts finden sich farbige Tinten und scherzhafte Kommentare, mit denen Mozart einzelne Passagen markierte. In der Diskothek vergleicht Eva Oertle gemeinsam mit dem Hornisten Olivier Darbellay und dem Dirigenten Jan Schultsz fünf unterschiedliche Aufnahmen von Mozarts viertem Hornkonzert.
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Folge vom 11.04.2026Germaine Tailleferre: HarfensonateVielen ist die französische Komponistin Germaine Tailleferre nur als Fussnote der Musikgeschichte bekannt, als einziges weibliches Mitglied der losen Komponistengruppe «Groupe des Six». Wie ihre Kollegen dort, u.a. Arthur Honegger, Francis Poulenc und Darius Milhaud, blieb sie als Reaktion auf die Spätromantik einer eher verschlankten Klangästhetik treu, und auch sie gehörte nicht zur musikalischen Avantgarde. «Ich habe ein unendlich schwieriges Leben, und darum schreibe ich fröhliche Musik», soll sie einmal gesagt haben. Unter anderem ihre Harfensonate aus dem Jahr 1953 beweist, dass Tailleferre weit mehr ist als eine Randerscheinung. Es ist ein so originelles wie zugängliches Stück - nur eines aus Tailleferres eindrücklich grossem Œuvre. Im gleichen Jahrzehnt wie die Harfensonate schrieb die damals bereits über 60-jährige Französin vier ihrer Opern bzw. Kammeropern. Auch diverse Klavier-, Kammermusik, Lieder, Orchestrales wie auch konzertante Werke hinterliess Tailleferre, die auch eine ausgezeichnete Pianistin war. Wie bei so vielen weiblichen Komponierenden ist auch das meiste von ihr noch nicht verlegt und aufgenommen worden. Den Grossteil ihres Werks (wie auch ihres Lebens) gilt es also noch zu entdecken und aufzuarbeiten. Gäste von Moritz Weber sind die Musikjournalistin Corinne Holtz und die Harfenistin Selina Cuonz. Erstausstrahlung: 13.01.2025
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Folge vom 30.03.2026Diskothek-Revue MärzJeweils in der letzten Diskothek-Ausgabe des Monats stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der vorangegangenen Sendungen vor. Die in der Diskothek prämierten Interpret:innen und Ensembles treten hier auch mit anderem Repertoire oder in anderer Besetzung auf. In diesem Monat: - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 - John Dowland: Lachrimae, or seaven teares - Bernd Alois Zimmermann: Nobody knows de trouble I see - Trompetenkonzert - Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion