Wie weltfremd darf Wissenschaft sein? Wie weltzugewandt soll eine Hochschule sein? An der Hochschule Bremerhaven hat sich der Ökonom Michael Vogel viele Gedanken über diese Fragen gemacht. Für ihn ist klar: Hochschulen – und mit ihnen vor allem die Studierenden – müssen sich bewusst werden, dass sie eine besondere Rolle für die Gesellschaft spielen. Diese Rolle müssen sie aktiv gestalten. Michael Vogel hat das mit dem Sozialprojekt namens „Die Zeitschrift der Straße“ (und dem Folgeprojekt „Uni der Straße“) getan. Das Bremer Straßenmagazin wird gemeinsam von Studierenden, Journalisten, sozial Engagierten, Hochschullehrern, Wohnungslosen und von Armut bedrohten Menschen gemacht. Wie schwierig es war, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen, Studierende und andere Partner dafür zu begeistern, das Projekt gegen alle Arten von Widerständen weiterzuentwickeln, davon erzählt uns Michael Vogel in dieser Episode. Und so lernen wir mit ihm, dass Bremerhaven beileibe kein Kreuzfahrerparadies ist, sondern ein Ort voller sozialer und wirtschaftlicher Probleme. Gerade hier, an den Rändern der Republik, steht eine Hochschule unter dem Druck, nicht nur klassischer Ort für Bildung und Forschung, sondern auch für soziale und wirtschaftliche Innovationen zu sein. Als Hochschule erfolgreich zu sein, bedeutet hier auch, dazu beizutragen, eine schwierige Region mit außergewöhnlichen Ideen zu stärken.
Folgen von Forschergeist
101 Folgen
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Folge vom 18.07.2016FG032 Hochschule und Zivilgesellschaft
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Folge vom 30.06.2016FG031 Abenteuer MathematikAn der Mathematik scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie ein rotes Tuch und Alptraum der Schulzeit, für die anderen ist sie Inspiration, Herausforderung und Kunst zugleich. Zu den bedingungslosen Mathe-Begeisterten gehört zweifellos Günter M. Ziegler. Er ist nicht nur einer der bekanntesten Mathematiker in Deutschland, sondern zugleich auch einer ihrer glühendsten Fürsprecher. Kaum ein anderer vermag so kompetent und fesselnd über die Bedeutung der Mathematik zu referieren wie der vielfach ausgezeichnete Forscher aus Berlin. Und so nimmt er uns in dieser Folge mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte und die Mysterien der Mathematik. Wir sprechen über den berühmten Ishango-Knochen und die Geburt der Mathematik, über Holzwege, die zum wissenschaftlichen Streben dazugehören, und wir lernen, dass Mathematik sowohl olympisch als auch diskret sein kann.
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Folge vom 13.06.2016FG030 Konflikt- und GewaltforschungDer Konfliktforscher Andreas Zick ist in diesen aufgeheizten Zeiten ein gefragter Mann: Er eilt unermüdlich durch die Republik, von Vortrag zu Vortrag, von Interview zu Interview. Denn Gesellschaft und Medien haben viele Fragen an den Wissenschaftler: Wie konnte die politisch weitgehend stabile, prosperierende Nachkriegsrepublik sich in so kurzer Zeit so stark radikalisieren? Wieso fallen extreme politische Meinungen auf so fruchtbaren Boden, wieso radikalisieren sich junge Menschen, wieso sind Gewalt gegen ethnische oder religiöse Minderheiten und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mittlerweile allgegenwärtig? Zu all diesen Themen forscht der gelernte Sozialpsychologe Andreas Zick am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld. Und so reden wir in dieser Folge über Pyros in Fußballstadien, über Hogesa, Pegida, Hate Speech und die Ursachen dieser Phänomene. Andreas Zick erläutert mögliche Lösungsansätze, wie Gesellschaft und Demokratie mit Hass, Gewalt und Extremismus umgehen kann und wie man als Wissenschaftler all diese sensiblen Themen verantwortungsvoll in der Öffentlichkeit kommuniziert.
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Folge vom 17.05.2016FG029 Meeresforschung und Tiefsee70 Prozent der Erde sind von Meer bedeckt, davon sind mehr als 90 Prozent Tiefsee. Es ist der größte Lebensraum, das größte Ökosystem der Erde. Dennoch ist unser Wissen über dieses System immer noch äußerst gering, sagt die Hamburger Meeresforscherin Angelika Brandt. So sind deutlich weniger Meeresorganismen als Landlebewesen bekannt. Ihre Aufmerksamkeit konzentriert sich deshalb auf die marine Biodiversität und ihre Erforschung. Und so begeben wir uns in dieser Folge gemeinsam mit Angelika Brandt auf eine Expedition: Doch bevor wir mit ihr das Forschungsschiff „Sonne“ betreten, erfahren wir von den oftmals jahrelangen Planungen und Vorbereitungen einer solchen Expedition, von Forschungsanträgen und minutiös zu planenden Logistik-Aufgaben: Schiffszeiten müssen ausgerechnet, internationale Mannschaften zusammengestellt, Container müssen verschifft, Gefahrgutdeklarationen gemacht werden etc. Auch die Expedition selbst ist beileibe keine Kaffeefahrt: Angelika Brandt erzählt von von anstrengenden 24-Stunden-Schichten, dem Forscher-Stress bei anhaltend schlechtem Wetter, schwierigen Tauchoperationen und der herausfordernden Aufgabe, multinationale Forscherteams zu koordinieren. Aber wenn dann achtern ein Buckelwahl kreuzt, zücken auch Tiefseeforscher beglückt ihre Kameras.