Ihre Verehrung für den dreißig Jahre älteren Johann Wolfgang von Goethe brachte die junge Bettina von Arnim in ihren Briefen an den Dichter zum Ausdruck
Ihre Verehrung für den dreißig Jahre älteren Johann Wolfgang von Goethe brachte die junge Bettina von Arnim in ihren Briefen an den Dichter zum Ausdruck © Joseph Karl Stieler / Wikimedia Commons / Public Domain

Hörspiel

"Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" - Bettina von Arnims berühmter Briefroman

Sie war nicht nur die Schwester Clemens Bretanos oder die Ehefrau Achim von Arnims. Bettina von Arnim zählt selbst zu den bedeutenden Vertretern der Romantik. Die Veröffentlichung von "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde", ihre Korrespondenz mit Johann Wolfgang von Goethe, sorgte 1835 für Wirbel.

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Bettina von Arnim, geborene Brentano, gilt vielen bis heute als 'der Kobold der Romantik'. Gefallen hat sie sich in dieser Rolle durchaus, sie hat damit kokettiert. Sie war das siebte Kind eines Großkaufmanns, dessen adlige Familie aus Italien stammte.

Die Schriftstellerin war alles andere als naiv und politisch uninteressiert. Bettina traf Goethe zwischen 1807 und 1811 nur viermal. Gleich das erste Mal setzte sie sich ihm - wenn man ihrer Beschreibung Glauben schenken möchte - auf den Schoß und schlief dort ein. Sie war Anfang zwanzig, er Ende fünfzig. Doch war es wirklich Liebe, die Bettina zu Goethe führte?

Milan Kundera schreibt: "Das, worum es zwischen den beiden ging, war nicht die Liebe. Es war die Unsterblichkeit." Wie viel Berechnung steckt also hinter Bettinas Goethe-Verehrung? Schon Goethes Sekretär Riemer bezichtigte Bettina der anmaßenden Schwindelei und klagte über ihre "unerhörte Art, sich einem, der auf dem Wege zur Unsterblichkeit ist, als Begleiter an den Arm zu hängen".

Der Briefwechsel, den sie mit Goethe in mehreren Jahren führt - ja, sie führt ihn in erster Linie, denn er schreibt nicht gerade häufig zurück, und wenn dann doch eher zurückhaltend - dieser Briefwechsel wird später die Grundlage ihres ersten dichterischen Werkes bilden. Neben der schwärmerischen Verehrung Goethes schreibt Bettina über ihre ästhetischen Auffassungen ebenso wie über ihre politischen Ansichten und ihre schmerzvollen Erfahrungen mit Karoline von Günderrode.

Zwei Jahre nach Goethes Tod, setzt sie den Sehnsüchten und Träumen ihrer Jugend ein literarisches Denkmal. Von den Zeitgenossen wurde ihr Buch teilweise euphorisch aufgenommen. Es trug ihr allerdings auch den Vorwurf ein, das Bild Goethes verfälscht zu haben, denn schließlich erlaubte sie sich eine starke Umformung und Neudichtung zahlreicher Briefe und ließ so die Korrespondenz beträchtlich ansteigen.

Oft als Selbstinszenierung und Selbstentblößung kritisiert, gilt das Buch gleichwohl vielen heute als virtuoses Sprachkunstwerk, als Paradestück einer Autorin, die sich den männlichen Kollegen der schreibenden Zunft ihrer Zeit stolz zur Seite stellen durfte.

Die stark komprimierte Hörspielfassung dieses über 600 Seiten dicken Buches macht den Widerspruch zwischen Realem und Fantasiertem deutlich und zeigt, wie schnell und gern ein Plagiat als Wirklichkeit akzeptiert wird.

Regie: Steffen Moratz; Bearbeitung: Caren Pfeil.

"Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" im Überblick

Goethes Briefwechsel mit einem Kinde

von Bettina von Arnim

Mit Chris Pichler, Jürgen Hentsch, Marlies Reusche

Produktion: 2009/2012

Sendezeit Mo, 01.04.2013 | 20:00 - 21:00 Uhr
Sendung MDR KULTUR "Hörspiel"
Radiosendung