König Ludwig II bleibt bis zu seinem Tod im Schloss eingesperrt.
König Ludwig II bleibt bis zu seinem Tod im Schloss eingesperrt. © Dieter Poschmann / PIXELIO

Hörspiel

Vergittertes Fenster

Es sind zwei Männer, die da aufeinander treffen: Einmal der Autor Klaus Mann und dann der bayerische Monarch Ludwig II; beide Männer sind zerrissen von Reue und Scham, leiden unter der Einsamkeit und fühlen sich unverstanden. Und um weiter zu machen, müssen beide Männer ihre Vergangenheit kennen.

"Ich werde sogar in den besten Stunden ein fast physisches Gefühl von Schmerz im Herzen nicht los: Heimweh nach der Vergangenheit, Entsetzen vor der Zukunft, unsagbare Sehnsucht nach dem Frieden, dem Nichts, der Auflösung."

Das schrieb Klaus Mann, Schriftsteller in seiner Erzählung "Vergittertes Fenster". 1937 schrieb er sie im Exil. In den bayerischen König sah er vieles von ihm selbst. Beide Männer litten unter der Einsamkeit eines Ausgestoßenen; beide waren heimatlos und schwul. Sie sehnten sich nach der Befreiung durch die Poesie berauschende Drogen und durch den Tod.

König Ludwig II ist am Ende seiner Kräfte: Er wurde gefangen genommen und in seinem Schloss eingesperrt. Seine letzten Stunden auf der Erde verbringt er damit, sich in seinem Unglück zu baden: Zerrissen von Reue und Scham, unter großer Einsamkeit leidend, unverstanden und von Drogen entstellt ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. 

Der Monarch sitzt schwach und besiegt in seinem Schloss Berg im Starnberger See und wartet auf den Tod. In seinen letzten Stunden auf Erden rechnet er mit seiner Vergangenheit ab. Statt eines Märchenprinz ist er ein verzweifelter Utopist und ewiger Außenseiter, der hier am vergitterten Fenster steht und in den Regen hinausschreit.

Die Geschichten zweier Männer verschmelzen hier miteinander. Das Hörpsiel bringt beide Perspektiven in einen intensiven Dialog, in das sich auch Komponist Richard Wagner und Kaiserin Elisabeth einmischen.

"Da ich über meine Zukunft zu entscheiden habe, ist es unbedingt notwendig, daß ich über meine Vergangenheit genau Bescheid weiß; daß ich klar und verständig alles begreife, was geschehen ist", schreibt Klaus Mann in seinem Tagebuch.

"Aber ist es nicht eine Absurdität, das Wort 'Zukunft' zu denken? Als ob es etwas sei, was diesen Namen verdient, überhaupt noch geben könnte für mich - der ich am Ende, am Ende, am Ende bin. C’est la fin. Voilà la fin d’un Roy. Voilà la fin. Meine Zukunft - der Tod. Meine Hoffnung - der Friede." - aus Klaus Mann, Vergittertes Fenster.

"Vergittertes Fenster" im Überblick

Vergittertes Fenster

von Klaus Mann

Mit Martin Carnevali, Florian Jahr, Shenja Lacher, Tini Prüfert, Martin Umbach und Maik Rogge

Produktion: 2020

Sendezeit So, 25.07.2021 | 15:05 - 16:00 Uhr
Sendung Bayern 2 "Hörspiel"
Radiosendung

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