Ein kranker Richter geht trotz Krankheit einem geregelten Arbeitsleben nach
Ein kranker Richter geht trotz Krankheit einem geregelten Arbeitsleben nach © Carin Araujo / freeimages.com

LiteraturLesung

Arbeit und Struktur | Teil 14 von 25

Teil 14/25 | Holm bekommt die Diagnose Glioblastom und begegnet noch am selben Abend dem Journalisten T., der einiges darüber erzählen und helfen kann, weil er die Krankheit seit 10 Jahren überlebt hat.

Ich hatte ein Telefonat mit einem älteren Mann aus Westdeutschland, den ich nicht kannte. Nach der Histologie sprach Holm an dem Abend noch auf einer Party mit dem Journalisten T. über seinen Vater, der ebenfalls an einem Glioblastom erkrankt ist und immer noch lebt, zehn Jahre nach der Operation. Wenn ich wollte, könnte er mir die Nummer besorgen.

Dieses Gespräch mit einem Unbekannten gibt mir Hoffnung. Ich erfahre, dass T. einer der ersten Patienten in Deutschland war, der Temodal bekam. Das ist nun schon dreizehn Jahre her und seitdem gab es kein Rezidiv.

Seine Ärzte rieten ihm nach der Operation, sich ein Jahr lang zu erholen und vielleicht eine Reise zu machen oder etwas zu tun, was er schon immer tun wollte, ohne mit jemandem darüber zu sprechen. Aber er machte sich sofort wieder an die Arbeit. Er informierte alle Leute, dass er seine Haare verlieren würde, aber dass sich ansonsten nichts ändern und alles wie gewohnt weiterlaufen wird. Man soll keine Rücksicht auf ihn nehmen. T. ist Richter. Wenn ich zuvor noch unsicher war, was ich tun sollte, dann wurde mir nach dem Telefonat klar, dass ich arbeite und Struktur haben wollte.

"Arbeit und Struktur" im Überblick

Arbeit und Struktur

von Wolfgang Herrndorf

Mit August Diehl

Sendezeit Fr, 06.10.2023 | 13:30 - 14:00 Uhr
Sendung radio3 "Lesung"
Radiosendung