Für einen symbolischen Euro verkauft, seit über 20 Jahren dem Verfall überlassen, heute Symbol für Ost-West-Identität und Zankapfel zwischen Wohnungsnot und Freizeitfläche: Das SEZ ist längst mehr als ein Gebäude.
Florian Schmidt, Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg (B'90/Die Grünen), Theresa Keilhacker, Architektin und ehemalige Präsidentin der Architektenkammer Berlin, Carl Waßmuth von der Initiative Gemeingut in Bürgerinnenhand, Jakob Hans Hien, Rechtsanwalt für Bau- und Planungsrecht bei Knauthe, und Mathias Schulz, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, diskutieren live über die Zukunft eines Gebäudes, dessen Geschichte exemplarisch für Berliner Stadtpolitik steht: Verkauf 2003, gescheiterte Reaktivierung, Rückgewinnung durchs Land nach jahrelangem Rechtsstreit, Bebauungsplan mit Abrissvorbehalt seit 2018 – und ein Kompromissvorschlag, der Erhalt und Wohnungsbau erstmals zusammendenkt.
Im Zentrum: 631 geplante Wohnungen der WBM gegen einen Teilerhalt mit vier Hochpunkten – macht 141 Wohnungen weniger. Geschätzte Mehrkosten laut WBM: 233 Millionen Euro, deren Grundlage in der Runde selbst hinterfragt wird. Dazu Fragen nach Denkmalschutzwürdigkeit, Bestandsschutz bei Nutzungsänderung und ob Berlin ein grundsätzliches Problem mit seinen besonderen Bestandsgebäuden hat – vom ICC bis Tempelhof.
Ein Gespräch über Bürgerinitiative als politischer Akteur, die Grenzen von Machbarkeitsstudien, Ost-West-Symbolik im Wohnungsbau und die Frage, ob sich Wohnraum und Freizeitfläche wirklich gegenseitig ausschließen müssen.
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Host Klaus Füner spricht alle 14 Tage mit den Vordenker*innen und Newcomern aus Architektur, Design, Stadtplanung und Landschaftsplanung. Ob visionäre Konzepte oder bauliche Innovationen: Alles, was die hochkarätig besetzten Netzwerkveranstaltungen von Heinze an Themen hervorbringen und was relevant erscheint, wird hier ins Gespräch gebracht. Damit Ihr nichts verpasst, von dem, was die Baubranche bewegt. Das Klimafestival für die Bauwende wird hier auditiv weitergeführt und die Bauwende inhaltlich weiter verfolgt. Denn es gibt viel zu tun, hören wir denen zu, die schon ins Handeln gekommen sind.
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Folge vom 24.09.2026#219 - SEZ Berlin – Abriss oder Zukunft?
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Folge vom 17.09.2026#218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?Ein Passant sagt: "Das Ding kann weg." Eine Passantin ruft aus: "Ich bin richtig traurig, das ist ein super Gebäude!" Zwei Meinungen, ein Gebäude, eine Stadt, die sich nicht einig ist – und ein Eigentümer, der längst entschieden hat. Prof. Martina Baum, Architektin und Stadtplanerin, Amber Sayah, Redakteurin bei der "Stuttgarter Zeitung", mit Schwerpunkt Architektur und Kunst und Wilfried Dechau diskutieren, unter Moderation von Klaus Füner, live vor Publikum über das Wittwer-Gebäude in Stuttgart – 1968 erbaut, bis heute als Buchhandlung genutzt, seit einem Dreivierteljahr Zentrum einer erhitzten Debatte um Abriss und Neubau. Anlass: ein Gemeinderatsbeschluss, der Eigentümerinteressen über Bestandserhalt stellt – und eine Grünen-Fraktion, die dem eigenen Erhaltungsanspruch selbst widerspricht. Baums These: Baukultur ist immer Ausdruck gesellschaftlicher Werte – und die Frage, mit welchen Teilen einer Stadt wir weitermachen, verlangt sorgfältige Abwägung statt bequemer Investorenentscheidungen. Ihre Beobachtung aus zahlreichen Umbaufällen: Am Ende steht fast immer dieselbe Rechnung – 25 bis 30 Prozent mehr vermietbare Fläche, mehr Rendite, weniger Bestand. Im Publikum: kontroverse Stimmen zu Denkmalschutz als zahnlosem Tiger, zur Bauteilbörse Basel als Blaupause und zur Frage, warum ein 1990 gebautes Krankenhausgebäude schon wieder abgerissen wird. Ein Gespräch über die Aushöhlung des Denkmalschutzes durch Investoreninteressen, ein mögliches Abrissmoratorium, die fehlende Abrissgenehmigung im deutschen Baurecht und die Frage, ob eine Gesellschaft von privaten Eigentümern verlangen darf, was sie selbst für richtig hält.
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Folge vom 10.09.2026#217 – Jan Tröber, TSSB Architekten - Carolabrücke 3.0 - der Gewinnerentwurf!Wenige Minuten zuvor war noch eine Straßenbahn drübergefahren. Dann, mitten in der Nacht, stürzt ein Teil der Carola-Brücke in die Elbe. Zwei Jahre später steht fest, wer Dresdens Hauptverkehrsachse neu bauen darf. Jan Tröber, Partner bei TSSB Architekten in Dresden, hat gemeinsam mit dem spanischen Ingenieurbüro FHECOR und dem Landschaftsarchitekturbüro UKL den Wettbewerb um die neue Carola-Brücke gewonnen – nur wenige hundert Meter vom eigenen Büro entfernt, wo Tröber den Einsturz am 11. September 2024 hautnah miterlebte. Entstanden ist "Carola-Brücke 3.0": eine leichte Bogenkonstruktion aus Stahl und Sandstein, die Elemente der historischen Vorgängerbauten verbindet und erstmals seit 1895 wieder mit Bögen durch die Dresdner Altstadtkulisse spannt. Der Weg dorthin: ein vierstufiges Auswahlverfahren mit Fachexpertengremium, einer Bürgerabstimmung mit 26.000 Teilnehmenden, einem Begleitgremium aus Politik und Verbänden und einem klaren Votum des Stadtrats mit 39 zu 31 Stimmen. Tröbers Team punktete vor allem bei der Bevölkerung, wo eigene Kommunikationsarbeit – Visualisierungen, Erklärfilme, eine eigene Website – eine zentrale Rolle spielte. Ziel: eine Brücke, die 140 Jahre halten soll, mit Baubeginn 2028. Ein Gespräch über die Grenze zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus im Wettbewerbsverfahren, die Rolle von Bürgerbeteiligung bei Stadtratsentscheidungen, ingenieurtechnische Baukunst bei 120 Metern Spannweite und die Frage, wie eine Stadt einen Symbolverlust in eine bessere Zukunft verwandelt.
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Folge vom 27.08.2026#216 – Dr. Max von Bredow, MvB Baukultur – Besser bauen, besser lebenDr. Max von Bredow, Immobilienentwickler und Unternehmer, verbindet mit seinem Unternehmen „MvB Baukultur“ wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte des Bauens. Der promovierte Maschinenbauer kam über seinen Schwiegervater zur Projektentwicklung und entwickelte daraus ein Geschäftsmodell, das Baukultur nicht als Zusatz versteht, sondern als Grundlage. Von Bredow setzt auf Nutzungsmischung statt Monofunktion: Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Pflege, Co-Working – alles unter einem Dach, alles im selben Quartier. Seine Winkelbauerhöfe in Holzkirchen zeigen, wie weit das gedacht werden kann: Inklusionscafé, Geothermie, Holzbauweise, Caritas-Tagespflege, Lastenfahrräder und ein Stellplatzschlüssel von 0,7. 80 Wohneinheiten, zwei noch verfügbar. Seine Lieblingsfrage: "Wann hast du das letzte Mal jemand zufällig in deinem Wohnzimmer kennengelernt?" Die Antwort erklärt alles und warum die Qualität der Zwischenräume über das Gelingen eines Quartiers entscheidet. Ein Gespräch über Bürgerbeteiligung als Planungsinstrument, soziale Bodennutzung, den Quartiersverein als Partyverantwortlichen und die Frage, warum besser bauen immer auch besser leben bedeutet.