
Kultur & Gesellschaft
Berliner Rede zur Poesie 2026 - Long Lines, Long Days
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Berliner Rede zur Poesie" setzen sich renommierte Dichterinnen und Dichter unterschiedlicher Herkunft intensiv mit ihren poetischen Werken auseinander.
Ein ergreifendes Bild einer betagten Frau, die gemeinsam mit einem Kleinkind auf dem Arm vor den Überschwemmungen flieht, welche durch die Zerstörung des Kachowka-Staudamms durch russische Truppen in der Ukraine hervorgerufen wurden, inspirierte Valzhyna Mort zu ihrer "Berliner Rede zur Poesie". Sie begann bereits vor drei Jahren, am 8. Juni 2023, mit der Arbeit an diesem Prosagedicht, als sie ein Stipendium für einen Aufenthalt in Umbrien erhielt.
Die dichte Bildsprache des Gedichts reflektiert Erlebnisse aus ihrer Kindheit und geht darüber hinaus zurück bis zu Yanya, ihrer Großmutter, die als Waisenkind den Zweiten Weltkrieg überstand, und Yusefa, ihrer Urgroßmutter, die in jungen Jahren starb, kurz nachdem das Anwesen, auf dem sie lebte, gewaltsam geräumt worden war. Der grüne Hügel, auf dem einst Alexandrowitschi stand, ist von Padljaddse aus sichtbar, wo Mort ihre Sommer als Kind verbrachte.
Die Horizontlinie von Padljaddse erlangte für sie damals eine besondere Bedeutung als "spielerisches Weltende", das die Quelle und der Prüfstein für ihre dichterischen Schöpfungen wurde: "Alles, was ich kreierte, maß ich entlang dieser von Jusefas kreisrundem Antlitz bewahrten Horizontlinie."
Valzhyna Mort wurde 1981 in Minsk, Belarus, geboren und lebt seit 2005 in den Vereinigten Staaten. Sie schreibt sowohl auf Belarussisch als auch auf Englisch und wurde kürzlich mit dem renommierten International Griffin Poetry Prize ausgezeichnet, einer der bedeutendsten Ehrungen im Bereich der Poesie.
Berliner Rede zur Poesie 2026 - Long Lines, Long Days im Überblick
| Sendezeit | So, 21.06.2026 | 22:05 - 23:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk Kultur "Literatur" |