Die Protagonistin des Hörstücks kehrt in ihren Erinnerungen zurück, in eine Zeit sozialer Diskriminierung, aber auch eines starken Selbstbewusstseins
Die Protagonistin des Hörstücks kehrt in ihren Erinnerungen zurück, in eine Zeit sozialer Diskriminierung, aber auch eines starken Selbstbewusstseins © JMG / pixelio.de

HörspielLesung

Deniz Ohde: Streulicht | Teil 1 von 14

Teil 1/14 | Die Icherzählerin in der Sendung "Deniz Ohde: Streulicht" berichtet von ihrer Kindheit als Arbeiterkind und wie sie sich später versuchte, davon zu lösen. Die Autorin Deniz Ohde wurde in Frankfurt groß und ist in Leipzig wohnhaft.

Die Heldin in Deniz Ohdes Werk kommt in ihre Heimat zurück und ihre Sinne sind geschärft. In dem Ort ist eine Anspannung spürbar, drumherum befindet sich eine Flusswiese und ein grausamer Geruch umhüllt den Ort. Schon bald kommen bei der Ich-Erzählerin Kindheitserinnerungen zurück, da ihr Vater Chemiearbeiter war und sie türkische Migranten sind.

Ihre Erinnerungen bestehen aus Diskriminierungserfahrungen, die sie im sozialen Kontext erleben musste, sowie aus Selbstbehauptung, die sie stark machte. Der Ort wird durch den Industrieschnee begrenzt, in der Luft kann man eine leichte Säure wahrnehmen und die Fertigungshallen, die hinter der Werksbrücke liegen, lärmen Tag und Nacht. Ihr Vater beizt dort jeden Tag Aluminiumbleche.

Dort wurde die Ich-Erzählerin groß und ging zur Schule, mit ihr all die Kinder, die in der Neubausiedlung nebenan wohnten. Schnell muss sie die Erfahrung machen, dass soziale Unterschiede eine Rolle spielen im Bildungssystem. Auch der zweite Bildungsweg ist nicht einfach, aber er ermöglicht ihr ein Leben außerhalb des Heimatortes.

In ihrem Werk spürt Deniz Ohde den Unterschieden nach, die sich in unserer Gesellschaft finden. Sie beschreibt, wie die Ich-Erzählerin sich mit ihrem Arbeiterkind-Dasein auseinandersetzen muss und was das genau für sie bedeutet. Zudem wird dargestellt, wie die Erzählerin die Ungleichheit im Bildungssystem erfahren muss, obwohl das Bildungsversprechen etwas anderes besagt. Einerseits wertet sich die Erzählerin innerlich selbst ab, andererseits versucht sie, sich davon zu lösen.

Zum Autor

1988 kam Deniz Ohde zur Welt und wurde im Westen von Frankfurt groß in der Nähe des "Industrieparks Höchst". In Leipzig absolvierte sie ein Germanistikstudium und ist auch heute noch dort wohnhaft. Streulicht ist ihr erster Roman und landete auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Außerdem erhielt sie für das Werk den aspekte-Literaturpreis 2020 und den Literaturpreis, den die Jürgen Ponto-Stiftung vergibt.

"Deniz Ohde: Streulicht" im Überblick

Deniz Ohde: Streulicht

von Deniz Ohde

Mit Marit Beyer

Produktion: 2020

Sendezeit Di, 11.04.2023 | 09:30 - 10:00 Uhr
Sendung hr2-kultur "Lesung"
Radiosendung