Das "Chat Noir", eine Kabarett-Kneipe der Künste für Jedermann/Frau
Das "Chat Noir", eine Kabarett-Kneipe der Künste für Jedermann/Frau © Nihan Aydin / freeimages.com

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Die Lange Nacht über das berühmte Montmartre-Cabaret "Chat Noir"

Keines der Gehege im Zoo auf dem Pariser Montmartre war Ende des 19. Jahrhunderts so beliebt wie das des "Schwarzen Katers". Weder der "Rote Esel" noch die "Tote Ratte", der "Flinke Hase" oder der "Rauchende Hund" konnten mithalten.

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Rudolphe Salis gründete das Cabaret “Le Chat Noir“ in den letzten Monaten des Jahres 1881. Das Bürgertum und die Musensöhne der Stadt Standen jeden Abend vor den Türen der Institution Schlange, die von Wächtern im Stil der Schweizergarde, bewaffnet mit einer Hellebarde, bewacht wurden. Hatte man es erst mal hinein geschafft, durfte man sich auf Kellner in feinen, brokatverzierten Kleidern im Stile der Académie Française, Absinth und Bockbier freuen.

Zu sehen gab es ein Schauspiel, dass dem heutigen Poetry Slam gleichkommt. Musikalische Improvisationen kamen von den Koryphäen jener Zeit wie Erik Satie und Claude Debussy. Hatte man einmal Besuch von den Oberen der Polizei, so lag das nicht daran, dass sie nach dem Rechten sehen wollten, viel mehr hatten auch sie Lust, sich zu amüsieren. Neben ihnen waren etwa auch der Kronprinz Albert Edward aus England, der darauf wartete, dass seine Mutter Victoria ihn an die Macht ließ oder der ein oder andere Minister der Dritten Republik zu Gast.

Für Radolphe Salis war die größte seiner Schöpfungen nichts weniger als ein Geniestreich, den es in dieser Form seit der Herrschaft Julius Cäsars nicht mehr gegeben hatte. Darüber hinaus schürte er Legenden darüber, dass die Gläser seines Hauses von Bonaparte, Ludwig XIV. und Robespierre stammten. Wenn er spottete, dann versahen es ihm seine Gäste als charmanten Liebesbeweis. Doch schon bald wollte der Entertainment-Star mehr. Das “Chat Noir“ als Homebase für Künstler und Zufluchtsstätte alle jener Pariser, die auf der Jagd nach dem großen Glück waren, war ihm zu klein geworden.

Was folgte, war die erfolgreiche Gründung einer Zeitschrift, die er nach seinem Etablissement benannte, die Organisation einiger Kunstausstellungen und höchst beliebte Schattenspiele, die ihn bei seinem Publikum und den Kritikern noch beliebter machte. Selbst für eine Tour durch das ganze Land reichte es. Als Ideengenerator, genialer Wirt und brillanter Entertainer kam sein Leben kaum zur Ruhe. Und nahm ein frühes Ende. Ihm Jahre 1897, im Alter von gerade einmal 46, segnete er das Zeitliche. Mit ihm war auch sein "Chat Noir" Geschichte.

Die Lange Nacht über das berühmte Montmartre-Cabaret "Chat Noir" im Überblick

Sendezeit Sa, 25.06.2022 | 00:05 - 03:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk Kultur "Lange Nacht"
Radiosendung

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