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Die Lange Nacht über William Faulkner
Sein Augenmerk lag auf den Südstaaten, insbesondere auf Mississippi und der Universitätsstadt Oxford, die William Faulkner (1897-1962) als Vorlage für das fiktive Jefferson City diente. Der Großteil seiner Geschichten spielt dort.
"Mississippi Goddamn" hat die bekannte Künstlerin und Aktivistin Nina Simone einst besungen. Dieser verfluchte Staat im Süden, wo die Zeit vor dem Bürgerkrieg, das Antebellum, übermäßig romantisiert wurde. An diesem Ort war das Gift des Rassismus tiefer verwurzelt als andernorts. Eine weiße Oberschicht hielt länger und erbitterter an der Rassentrennung fest und verweigerte Afroamerikanern fast hundert Jahre lang fundamentale Bürgerrechte. Diese Welt prägte seine Geschichten: Wohlhabende, sich als aristokratisch sehende Familien, die tatsächlich von Abenteurern und Emporkömmlingen abstammten und deren Moral verkommen war.
Ebenso porträtierte er die armen Weißen, bekannt als White Trash, die der alten Aristokratie erst den Spiegel zeigten, bevor sie nach und nach ihren Platz einnahmen. So entstanden seine großen Familiendramen wie "Schall und Wahn" und "Absalom! Absalom!", sein Meisterwerk – auf herausragende Weise erzählt mit der damals innovativen Methode des Bewusstseinsstroms: Faulkner brachte die Geschichte nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern ließ sie durch die Perspektive und den Ausdruck seiner Figuren entstehen. Sein meisterhaftes Spiel mit Form, Stil, Themen und sozialem Hintergrund wurde 1950 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Seine Werke sind weiterhin relevant, da sie die tiefen Wurzeln des Rassismus beleuchten, mit denen die USA bis heute ringen.
Die Lange Nacht über William Faulkner im Überblick
| Sendezeit | Sa, 01.03.2025 | 00:05 - 03:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk Kultur "Lange Nacht" |