
Hörspiel
"Doppelgängerscheu" - Freud und Schnitzler bei Zigarre und Barolo
Die Wiener Moderne wäre nicht dasselbe ohne Arthur Schnitzler und Sigmund Freud. Trotz ihrer dubiosen Beziehung zueinander, auf die man sich bis heute keinen Reim machen kann, verbinden sie zahlreiche Gedanken und Perspektiven.
Die Werke und Biografien Arthur Schnitzlers (1862-1931) und Sigmund Freuds (1856-1939) sind voller Parallelen. Die beiden sind nur durch wenige Lebensjahre voneinander getrennt. Beide erhielten ihre medizinische Grundausbildung an der Uni Wien und waren der gleichen gesellschaftlichen Schicht zuzuordnen.
Beide begeistern sich für die Hypnose. Freud, der als Vortragsredner über Nervenkrankheiten einiges von den Möglichkeiten der Hypnose hält, erntet in der Internationalen Klinischen Zeitschrift viel Lob vom jungen Sekundararzt Schnitzler. Sowohl sprachlich als auch inhaltliche sagen ihm Freuds Leistungen zu.
Freud wiederum liest Schnitzlers Veröffentlichungen ebenfalls hoch erfreut und ist auf all seinen Theateraufführungen zu sehen. In Schnitzlers Tagebuch bekommt jede neue Freud-Veröffentlichung einen eigenen Vermerk. Zwar widmet er sich sein ganzes Leben intensiv mit den Lehren der Psychoanalyse, wohl aber immer mit kritischem Auge.
So sehr, wie sich beide schätzen, liegt die Annahme nahe, dass sie in Kontakt miteinander standen. Doch dem scheint nicht so zu sein. Es heißt sogar, dass sie diesen bewusst mieden. Dann, in einem Brief von Freud an den Dichter, anlässlich dessen 60. Geburtstag im Mai 1922, ist zu lesen, warum er der herbeigesehnten Begegnung immer noch aus dem Weg ging: "Doppelgängerscheu".
Das gleichnamige Hörspiel stützt sich in seiner Erzählung auf Tagebucheinträge Schnitzlers und Briefzitate Freuds. Es werden Verbindungen hergestellt, die sich im Zuge der eingängigen Recherche als naheliegend herausstellten. Was muss Wissenschaft leisten, was kann Kunst vermitteln? Das Besprechen der Psychoanalytiker und der Literat ein einer erdachten Begegnung voller Wein und Zigarrenrauch.
Im Geiste kommen sie zu sehr ähnlichen Schlüssen, auch bezüglich des überwältigenden Vormarschs des Antisemitismus. Frieda Pollak, eine enge Freundin Schnitzlers, weicht zu keinem Moment von dessen Seite. "Kolap", so ihr Spitzname, behandelt ihn auch während seiner Schaffenskrisen stets mit größter Umsicht, Loyalität und Diskretion.
""Doppelgängerscheu" - Freud und Schnitzler bei Zigarre und Barolo" im Überblick
"Doppelgängerscheu" - Freud und Schnitzler bei Zigarre und Barolo
von Brita Kettner
Mit Udo Samel, Peter Simonischek, Brigitte Karner
Produktion: 2022
| Sendezeit | Sa, 08.08.2026 | 14:00 - 15:00 Uhr |
| Sendung | Ö1 "Hörspiel" |