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Feature

Eher regnet es Tinte - Der Fall Hagedorn und ein Filmverbot

Im September 1974 begann das DDR-Fernsehen mit der Produktion zu einer neuen Folge von "Polizeiruf 110", dem sozialistischen Gegenstück zum westdeutschen "Tatort". Es ging um Kindermord und einen homosexuellen Täter mit pädophilen Neigungen. Die Geschichte basierte auf dem Fall des Kochlehrlings Erwin Hagedorn, der einige Jahre zuvor auf grausame Weise drei Jungen aus Eberswalde umgebracht hatte und dafür zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Es war das letzte in der DDR nach zivilem Strafrecht vollstreckte Todesurteil.

Die Dreharbeiten waren fast fertig, als die Produktion plötzlich abgebrochen werden musste. Der Grund: Ein bekannter Journalist und "Tatort"-Autor hatte den Fall Hagedorn recherchiert und damit im Westen große Empörung ausgelöst. Die SED-Funktionäre leugneten die Geschichte und versuchten, sämtliche Spuren zu vernichten. Obwohl die verfremdete Filmstory keine Rückschlüsse auf die realen Geschehnisse zuließ, wurde auch sie kassiert. Erst 1990 erfuhr Regisseur Heinz Seibert die Hintergründe für das plötzliche Verbot und stieß auf die Spuren seines angeblich vernichteten Films.

""Eher regnet es Tinte ..." - Der Fall Hagedorn und ein Filmverbot" im Überblick

"Eher regnet es Tinte ..." - Der Fall Hagedorn und ein Filmverbot

von Thomas Gaevert

Sendezeit Mi, 03.11.2010 | 15:00 - 16:00 Uhr
Sendung SWR Kultur "Feature"
Radiosendung