
Kultur & Gesellschaft
Elvis - Der Schamane in Las Vegas | Teil 3 von 3
tippen/Seit es den kulturkritischen Begriff der cultural appropriation gibt, wird Elvis oft als ein abschreckender Musterfall einer Aneignung genannt, die auf eine Enteignung hinauslaufe, auf eine Durchsetzung kultureller Macht der weißen Mehrheit. Aber Elvis kommt nicht von der einen Seite, um sich der anderen zu bemächtigen – er lebt von Anfang in der amphibischen Zwischenwelt der Rassen und der Klassen. Im ersten Teil seines dreiteiligen Essays über Elvis Presley schildert Heinrich Detering den Aufstieg Presleys als motiviert vom Ausbruch des „Anderen“: des Unmöglichen, des Verbotenen, des Tabus. Bis 1968 läuft die Kitsch- und Kommerzmaschine der Marke „Elvis“ makellos und vertragsgemäß. Aber Elvis ist der Lauheit schon lange müde. Unter der flachen Oberfläche der Schlagerfilme hat sich seit Jahren etwas sehr Lebendiges entwickelt, das hinauswill – und mit dem TV-Special zur Weihnacht 1968 auch hinauskommt. „Wenn es jemals Musik gegeben hat, die blutet“, hat ein Kritiker einmal geschrieben, „dann war es diese“. Und das Filmkonzept der Show war nicht weniger radikal ... Elvis in Las Vegas: Eine Lachnummer? Mitnichten. Erst, wenn man diesen Elvis als Schamanen liest, begreift man seine eigentliche Bedeutung. Am Ende jedes Konzertes sind die Gegensätze von race, class, gender und generation, zwischen denen das Drama des Konzerts sich abspielt, zumindest symbolisch versöhnt
Elvis im Überblick
| Sendezeit | So, 19.12.2021 | 23:03 - 00:00 Uhr |
| Sendung | SWR Kultur "Essay" |