Der Ausschluss von Minderheiten: Das Friedensabkommen von Dayton erlaubt nur Kroaten, Serben oder Bosniaken als Präsidenten
Der Ausschluss von Minderheiten: Das Friedensabkommen von Dayton erlaubt nur Kroaten, Serben oder Bosniaken als Präsidenten © The Central Intelligence Agency / Wikimedia Commons / Public domain

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Herr Sejdic und Herr Finci: Bosnien-Herzegowina und die Rechte der Anderen

Dervon Sejdic und Jakob Finci kämpfen seit fast 20 Jahren für das Recht zur Präsidentschaftskandidatur in ihrem Heimatland, obwohl ihnen das aufgrund ihrer Religion verwehrt ist.

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Seit beinahe zwei Jahrzehnten setzen sich Dervon Sejdic und Jakob Finci dafür ein, dass sie in ihrem Heimatland als Kandidaten für das Amt des Präsidenten antreten dürfen. Dies wird ihnen aufgrund ihrer jüdischen bzw. Roma-Hintergründe gemäß der Verfassung verwehrt.

Dass es mitten in Europa eine solch absurde Situation existiert, ist unfassbar. Aber dies hängt mit der Geschichte des Landes zusammen: Das Friedensabkommen von Dayton beendete im Jahr 1995 den Krieg in Bosnien und Herzegowina und verankerte eine Verfassung, die vorsieht, dass nur Kroaten, Serben oder Bosniaken als Präsidenten oder Mitglieder der Volkskammer gewählt werden dürfen. Mit dieser Regelung wollte man die Nationalisten aller Lager befrieden. Doch die Minderheiten, die in der Verfassung lediglich als "die Anderen" bezeichnet werden, wurden nicht berücksichtigt.

Sejdic und Finci zogen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und erzielten dort im Jahr 2009 einen Sieg. Bis heute wurde das Urteil jedoch nicht in die Verfassung des Landes verankert. Die Nationalisten aller Lager zeigen kein Interesse daran, die Machtverteilung entlang ethnischer Linien zu ändern.

"Herr Sejdic und Herr Finci: Bosnien-Herzegowina und die Rechte der Anderen" im Überblick

Herr Sejdic und Herr Finci: Bosnien-Herzegowina und die Rechte der Anderen

von Zoran Solomun

Produktion: 2024

Sendezeit Di, 21.05.2024 | 19:15 - 20:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk "Das Feature"
Radiosendung