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Himmlers Masseur - Yoga im Nationalsozialismus

Weil er Heinrich Himmler von seinen körperlichen Leiden befreien sollte, wurde er sein Vertrauter: der Finne Felix Kersten. Der Reichsführer-SS erzählte ihm von seiner Bewunderung für die indische Kshatriya-Kaste, die das bedingungslose Töten für einen höheren Zweck propagierte.

1939 leidet Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, an Bauchkrämpfen. Nachdem ihm kein Arzt hat helfen können, behandelt ihn der Therapeut Felix Kersten erfolgreich mit chinesisch-tibetischen Massagetechniken.

Auf diese Weise wird der in Berlin lebende Finne Himmlers Vertrauter. Er hört seinen Patienten von der Kshatriya-Kaste schwärmen: Die altindischen Krieger propagierten das bedingungslose Töten für einen höheren Zweck. Himmler wird Kersten aus der Bhagavad Gita, eine der zentralen Schriften des Hinduismus, vorlesen und von Plänen berichten, die SS in einen spirituellen Orden zu verwandeln. Kersten wird Himmler um Gefälligkeiten bitten: zum Beispiel um die Freilassung mehrerer KZ-Insassen.

Himmlers Faible für Yoga kommt nicht von ungefähr: Schon um 1900 setzte in Deutschland eine Indienbegeisterung ein. 1937 entstand in Berlin-Schöneberg Deutschlands erstes Yogazentrum. Für die Nazis war Yoga etwas - so schrieb es der SS-Ideologe Jacob Wilhelm Hauer -, "was den Einzelnen innerlich wappnet für die bevorstehenden Kämpfe".

"Yoga im Nationalsozialismus" im Überblick

Yoga im Nationalsozialismus

von Peter Kaiser

Produktion: 2012

Sendezeit So, 21.07.2013 | 14:04 - 15:00 Uhr
Sendung SWR Kultur "Feature am Sonntag"
Radiosendung