Beim Loblied auf Pergolesis "Stabat Mater" kann man offensichtlich den Mund kaum zu voll nehmen: Es sei "das europaweit berühmteste Kirchenwerk des 18. Jahrhunderts" - was zählen daneben schon Händel oder Bach?
Letzterer hat sogar noch 1747 höchstselbst eine Adaption angefertigt - und so wurde aus der katholischen Marienklage kurzerhand eine protestantische Kirchenkantate.
Warum wurde dieses "Stabat Mater" des allzu früh - mit 26 Jahren - verstorbenen neapolitanischen Komponisten das meistgedruckte Musikwerk des 18. Jahrhunderts? Was unterscheidet es von denen der Vorgänger, etwa Alessandro Scarlattis? Paul Bartholomäi stellt das Hauptwerk dieses Komponisten und seiner Epoche vor, wirft einen Seitenblick auf Pergolesis zweites berühmtes Werk, das Bühnenstück "La serva padrona", und gibt auch der kritischen Stimme eines Zeitgenossen Raum.
Klassische MusikKultur & Gesellschaft
hr2 Notenschlüssel Folgen
Klassische Musik – noch Fragen? Paul Bartholomäi gibt ganz persönliche Antworten: In jedem Podcast entschlüsselt er ein anderes Werk, lässt Zusammenhänge hörbar werden, führt in die Welt der Komponisten. Weitere Folgen gibt’s hier ab dem 23. September.
Folgen von hr2 Notenschlüssel
84 Folgen
-
Folge vom 12.10.2026Notenschlüssel - Pergolesi: Stabat Mater
-
Folge vom 06.10.2026Notenschlüssel - Isang Yun: RéakSeine Biografie könnte die Vorlage abgeben für einen wilden Polit-Thriller, nur dass die Geschichte leider wahr ist: 1967 wurde der koreanische Komponist Isang Yun vom südkoreanischen Geheimdienst aus West-Berlin entführt und nach Südkorea verschleppt. In einem Schauprozess angeklagt, zum Tode, später zu "lebenslänglich" verurteilt - und zwei Jahre später durch Bemühungen des deutschen Außenministeriums und weltweite Proteste von Künstlerkollegen wieder freigelassen. Isang Yuns Musik schlägt eine Brücke von Ost nach West - in einer Zeit, in der so etwas noch nicht so gängig und wohlfeil war wie heute, sondern eher ein Experiment. Welches Orchester kannte sich schon mit Musik aus, in der jeder Ton ein Ereignis ist? In der die im Abendland so wichtig genommene "Form" mit Anfang, Ende und einer nachvollziehbaren melodischen und harmonischen Konstruktion dazwischen kaum eine Rolle spielt? In der das "normale" Sinfonieorchester maximal differenziert ist und durch eine Batterie von Schlagzeug verstärkt wird? 1966, ein Jahr vor seiner Entführung, gelang Isang Yun mit seinem Orchesterstück "Réak" so etwas wie ein Durchbruch. Paul Bartholmäi stellt das Stück vor, richtet den Blick nach Asien, auf die damalige "Neue Musik" mit dem ganz großen "N", aber auch auf die Biografie von Isang Yun - Letzteres in den Worten des Komponisten und Oboisten Heinz Holliger.
-
Folge vom 30.09.2026Notenschlüssel - Scarlatti: "Essercizi"Hat die äußerliche Hässlichkeit der portugiesischen Königstochter Maria Barbara etwas mit den 555 Klavierstücken von Domenico Scarlatti zu tun? Paul Bartholomäi kann sich diesen Zusammenhang vorstellen, aber: Nichts Genaues weiß man nicht. Überhaupt weiß man nicht allzu viel über Domenico Scarlatti, der 1728 aus dem italienischen Musikleben nach Portugal entschwand und den Rest seines Lebens als Privatmusiklehrer der portugiesischen Infantin und nachmaligen Königin von Spanien verbrachte. Nur einmal, 1738, trat er noch ans Licht der Öffentlichkeit und ließ in der modernen Musikmetropole London 30 "Essercizi per gravicembalo“ drucken, die den Grundstein für die bis heute andauernde Scarlatti-Begeisterung legten, namentlich in England und Frankreich. Um die faszinierende Musik des Jahrzehnte aufs Cembalo fixierten Komponisten ranken sich zahllose Rätsel: seine seltsame Biografie, der bunte Stil seiner Klavierstücke, die Verwendung von Folklore in dieser für den Hof gedachten Musik oder das Ambiente, in der seine Sonaten gediehen - Paul Bartholomäi stellt sich diesen Fragen und kommt zu überraschenden Thesen.
-
Folge vom 25.09.2026Notenschlüssel - Purcell: "Dido and Aeneas"Die wohl erste Oper Englands war sogleich der große Wurf: "Dido und Aeneas" von Henry Purcell, dem Shooting Star des späten 17. Jahrhunderts, hat alles, was eine barocke Oper braucht: Gesangskultur, saftiges Theaterspiel, bunte Kostüme, Tänze und reichlich Bühnenmaschinerie. Dabei dauert das obendrein auch psychologisch tiefgehende Werk - das nicht ganz vollständig überliefert ist - nur etwa eine Stunde und empfiehlt sich damit als die möglicherweise kurzweiligste und abwechslungsreichste Oper des Barocks. Paul Bartholomäi führt durch die einzige "Volloper" des frühverstorbenen "Orpheus Britannicus", zeigt die Kreuzung der antiken Geschichte von Vergil mit Hexenauftritten, wie wir sie von Shakespeare kennen, weist auf die musikalische Vielfalt hin und präsentiert zahlreiche Aufnahmen, die höchst unterschiedliche interpretatorische Ansätze erkennen lassen.