
Feature
Hüzün - Die türkische Melancholie
In Deutschland ist Melancholie ein Gefühlszustand, den das Individuum meist für sich allein erfährt. Vielleicht ist er deswegen oft mit Traurigkeit verbunden. Ganz anders in der Türkei: Hier gibt man sich Hüzün gemeinsam hin, trinkt Raki, isst Meze und vergießt lustvoll so manche Träne.
Ein Sonnenuntergang macht unser Herz weit und unsere Sinne melancholisch. Doch sonst verbinden wir mit Melancholie eher Gefühle der Traurigkeit, Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Ganz anders das Verhältnis der Türken zur Melancholie.
Gemeinsam gibt man sich Hüzün bei Raki und Meze hin und vergießt dabei lustvoll so manche Träne. In den todtraurigen Schlagern der türkischen Arabesk-Musik wird sie gefeiert, auch in der türkischen Dichtung hat sie ihren festen Platz.
Manche Politiker sehen in Hüzün dagegen nur den Aspekt der Passivität, ein Hindernis für den politischen Aufbruch - Atatürk zum Beispiel wollte ihr einen völlig neuen aktiven Menschentyp entgegensetzen.
Hüzün ist ein Schlüssel zur türkischen Kultur. Was verbirgt sich hinter Hüzün? Wie kamen die Türken zu ihrer Art der Wehmut? Und worin unterscheidet sich Hüzün von der Melancholie, wie wir sie in Westeuropa kennen?
"Türkische Melancholie: Hüzün" im Überblick
Türkische Melancholie: Hüzün
von Patrick Batarilo
Produktion: 2010
| Sendezeit | Sa, 25.04.2015 | 09:00 - 09:35 Uhr |
| Sendung | MDR KULTUR "Feature" |