Wer in einem kleinen bosnischen Dorf und dann im Toggenburg aufwächst, lernt wohl früh, sich in verschiedenen Welten zu bewegen. Muris Begovic ist eine Stimme des Dialogs, des Friedens und der erste Seelsorger der Schweizer Armee mit muslimischem Hintergrund.
Als Muris Begovic zehn Jahre alt war, versteckte er sich im Stall seines Grossvaters unter dem Heuhaufen. Seine Eltern hatten entschieden, dass der Moment gekommen war, ihre Heimat zu verlassen: In Slowenien und in Kroatien herrschte bereits Krieg und sie ahnten, dass es eine Frage der Zeit war, bis die Welle der Gewalt auch Bosnien erfassen würde. Aber der kleine Junge wollte nicht weg, wollte nicht in die Schweiz. Denn er wusste: Ich will Imam werden – und dort kann ich das nicht.
Woher kam dieser frühe, tiefe Wunsch? Und wie brachte Muris Begovic den Mut und die Entschlossenheit auf, ihm als Jugendlicher tatsächlich nachzugehen, nach Bosnien zurückzukehren und dort seine Ausbildung zu absolvieren, in einem Internat, in dem die zersplitterten Fensterscheiben noch immer vom Krieg zeugten?
Heute lebt Begovic wieder in der Schweiz, ist glücklich verheiratet, Vater von zwei Söhnen, Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und Geschäftsleiter der muslimischen Seelsorge Zürich. Und er hat sich den Ruf erarbeitet, jemand zu sein, der sich für Offenheit, Toleranz und den konstruktiven Austausch zwischen den Religionen und Kulturen einsetzt. So wurde er 2018 mit dem «Dialogpreis der Schweizer Juden» ausgezeichnet, gemeinsam mit seinem Freund, dem Zürcher Rabbiner Noam Hertig.
Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Begovic von den Erfahrungen, die ihn geprägt haben, von den Werten und Überzeugungen, die ihn leiten und wie es dazu kam, dass er der erste Schweizer Armeeseelsorger mit muslimischem Hintergrund wurde.
Die Musiktitel:
- Michael Jackson: Earth Song
- Dino Merlin: Sredinom
- Peter Fox: Haus am See
- Tim Bendzko: Nur noch kurz die Welt retten
- Dino Merlin: Jedan dan, jedna noć
Erstausstrahlung: 18.01.2026
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«Musik für einen Gast» – die besondere Talkshow auf SRF 2 Kultur: Ein Mensch und seine Musik. Persönlichkeiten – ob aus Kultur, Wissenschaft, Sport, Politik oder Wirtschaft – erzählen über ihr Leben, ihren Beruf, ihre Träume und Visionen und vor allem über die Musik, die sie geprägt hat und ihnen wichtig ist.
Folgen von Musik für einen Gast
50 Folgen
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Folge vom 18.07.2026Muris Begovic: «Mitgefühl, Empathie – darum geht es»
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Folge vom 12.07.2026Trudy Müller-Bosshard: «Die Welt ist rätselhaft genug»Alle zwei Wochen zerbricht sich die Schweiz wegen ihr den Kopf. Seit über 30 Jahren veröffentlicht Trudy Müller-Bosshard im «Magazin» des Tages-Anzeigers ihre legendären Kreuzworträtsel. Ein Gespräch über ihren Arbeitsprozess, ihren Wunsch, Sängerin zu werden, und Minigolfen mit Pepe Lienhard. Sie gibt selten Interviews. In einem, das vor einigen Jahren erschienen ist, bezeichnete sie sich selbst als «schrullig». Diesen Begriff würde sie heute nicht mehr verwenden: «Das klingt so nach einer hexigen älteren Dame – und das bin ich nicht.» Aber einen Knall habe sie eindeutig, sagt Trudy Müller-Bosshard in «Musik für einen Gast». Das habe sie schon in der Schulzeit zu spüren bekommen: Die schräge Aussenseiterin sei sie gewesen mit ihrem Musikgeschmack und den Manchesterhosen, die dazu geführt hätten, dass der Schulleiter der Kanti Aarau sie – buchstäblich! – mit einem Fusstritt aus dem Rektorat befördert habe. Doch ein Mitschüler habe sich ihr angenommen: der junge Pepe Lienhard, der sie auf den Minigolfplatz und in seinen Bandraum einlud. Sowieso: die Musik. Dank ihr erlebte Trudy Müller-Bosshard, was es heisst, anzukommen. Mit 19 stand sie allein vor einem Londoner Club und hörte eine Gitarre. «Ich ging rein, als wäre ich magnetisch angezogen. Da stand ein Typ auf der Bühne und mir liefen die Tränen hinunter. Ich hatte das Gefühl, der spricht mit mir.» Wer das damals war, wie diese Erfahrung ihre Laufbahn beeinflusst hat und warum sie sich letztendlich doch entschieden hat, den Traum der Sängerinnenkarriere an den Nagel zu hängen – all das erzählt Trudy Müller-Bosshard im Gespräch mit Melanie Pfändler. Und wie sie versucht, mit alltäglicher Menschlichkeit der Weltlage im Kleinen entgegenzuhalten. Die Musiktitel: - Rolling Stones: Rip This Joint - Janis Joplin: Piece of My Heart - Jeff Beck: All Shook Up - Mink DeVille: Spanish Stroll - Them & Van Morrison - It’s All Over Now, Baby Blue Erstausstrahlung: 16.02.2025
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Folge vom 05.07.2026Martin Lachmann: «Akustiker ist ein kreativer Beruf»Als renommierter Akustiker hat Martin Lachmann viele Konzerträume gestaltet. Früher erlebte er als Toningenieur magische Momente, wenn er bei Aufnahmen von Sina oder Züri West am Mischpult sass. An seinem Beruf mag er, dass sich Akustik an der Schnittstelle von Physik und eigener Wahrnehmung bewegt. Vielleicht hätte Martin Lachmanns Laufbahn eine andere Wendung genommen, wenn er nicht als Kind von einem Onkel, einem leidenschaftlichen Elvis-Fan, einen Plattenspieler geschenkt bekommen hätte. Damals begann seine Leidenschaft fürs genaue Hinhören. Später arbeitete er als Toningenieur und war bei der Geburtsstunde von Hits dabei, wie zum Beispiel Kuno Laueners Aufnahme von «Ich schänke Dir mis Härz». Heute ist Martin Lachmann einer der gefragtesten Akustiker der Schweiz. Er prägte den Klang des Basler Jazzcampus, das Klanghaus Toggenburg oder das Musikzentrum Don Bosco in Basel. Mit Prädikaten wie «weltbeste Akustik» ist Lachmann vorsichtig: «Was gute Akustik ist, hängt immer von der Nutzung ab.» Die Musiktitel: - Elvis Presley: Mystery Train - Marianne Faithfull: Working Class Hero - Lyle Lovett: Church - Leszek Mozdzer, Lars Danielsson: Berlin - Johnny Cash: Personal Jesus - Dave Brubeck Quartet: Koto Song
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Folge vom 28.06.2026Anna Jobin: «Ich höre Saint-Saëns – und bin sofort in Cannes»Anna Jobin weiss nach der Schule nicht, was sie beruflich machen soll. Sie reise gern, erzählt sie dem Berufsberater. Der schlägt vor, sie solle Flight Attendant werden. Pilotin erwähnt er nicht. Kaum hat sie bei der Swissair angefangen, folgt das Grounding. Im Herbst 2001 steht alles still. Jobin, die für den Job nach Zürich gezogen ist, findet als Filmfan eine neue Aufgabe: Sie arbeitet bei einem Filmverleih. Regelmässig reist sie zum Filmfestival nach Cannes. Dort schaut sie Weltpremieren an und lässt sich von der Festivalmelodie verzaubern: dem «Aquarium» aus Camille Saint-Saëns’ «Le Carnaval des animaux». Sobald sie genug Geld gespart hat, bricht sie nach Asien auf. Über die Türkei reist sie in den Iran, lernt ein bisschen Persisch und beschliesst, nach ihrer Rückkehr an der Universität Freiburg zu studieren. Doch Jobin will nicht irgendetwas studieren, sondern so viel wie möglich. Ihre Neugier treibt sie an. Sie wählt Soziologie, Volkswirtschaft und Informatik– um, wie sie sagt, die Brücke zwischen Mensch und Technik zu schlagen. Während des Studiums erlebt sie den Aufstieg der sozialen Medien, gründet eine eigene Firma, baut Webseiten für Kundinnen und Kunden und gibt Schulungen. Sie hat die Nase früh im Wind. Heute forscht die Assistenzprofessorin an der Universität Freiburg zu den sozialen Dimensionen künstlicher Intelligenz. Wie sie trotz Uni-Karriere bodenständig bleibt, warum Loslassen für sie funky klingt und wieso soziale Medien unsere Kommunikation nicht zwangsläufig verschlechtern, erzählt Anna Jobin in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - Camille Saint-Saëns: L’aquarium, aus Le carnaval des animaux (Emmanuel Pahud & Friends) - Googoosh: Komakam kon - Züri West: Römer - Anderson Paak: The Dreamer - Nikka Costa: Like a Feather