Krieg und Folter hinterlassen nicht nur sichtbare Zerstörungen, sondern können die Psyche von Menschen über Jahre und sogar über Generationen hinweg prägen. Karim El-Gawhary spricht mit Tadeja Lackner und Nora Ramirez über die Arbeit des Wiener Betreuungszentrums Hemayat, das Überlebende von Krieg und Folter psychologisch, psychotherapeutisch und psychiatrisch betreut. Hemayat leistet jährlich rund 26.000 Betreuungsstunden und versorgte zuletzt mehr als 2.000 Menschen, während gleichzeitig 637 schwer traumatisierte Personen auf einen Behandlungsplatz warten. Besonders schwierig ist für viele Betroffene der Verlust von Vertrauen, das Gefühl ständiger Bedrohung sowie Flashbacks, Dissoziation, Scham und die Unfähigkeit, über das Erlebte zu sprechen. In der Therapie geht es deshalb zunächst um Sicherheit, Vertrauen und darum, den Menschen ihre Würde zurückzugeben, bevor traumatische Erlebnisse überhaupt vorsichtig aufgearbeitet werden können. Lackner und Ramirez erklären, dass vollständige Heilung nicht immer möglich ist, es aber häufig gelingen kann, Menschen dabei zu unterstützen, mit ihrer Geschichte und den Folgen des Traumas wieder ein lebenswertes Leben zu führen. Gleichzeitig sprechen die Gäste über die enorme Versorgungslücke, die langen Wartezeiten und die finanziellen Unsicherheiten von Hemayat, dessen Angebote teilweise durch öffentliche Förderungen und einen Krankenkassenvertrag finanziert werden.Wer spenden möchte: www.hemayat.org
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
NachrichtenTalk
Nahost. Nah Dran. Folgen
Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.
Folgen von Nahost. Nah Dran.
33 Folgen
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Folge vom 16.09.2026E29 Wenn Krieg und Folter die Seele zerstört – mit Tadeja Lackner und Nora Ramirez
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Folge vom 10.09.2026E28 Der vergessene Krieg und seine internationalen Drahtzieher: Talk mit der Sudan-Expertin Saskia JaschekSeit mehr als drei Jahren herrscht im Sudan Krieg zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), während Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen und auf der Flucht oder innerhalb des Landes vertrieben sind. Die Sudan-Expertin Saskia Jaschek erklärt, warum der Konflikt nicht auf einen Machtkampf zwischen zwei Generälen reduziert werden kann und welche zahlreichen bewaffneten Gruppen und wechselnden Bündnisse ihn zusätzlich kompliziert machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Internationalisierung des Krieges und der Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate, die laut Jaschek die RSF unter anderem mit Waffen, Geld und einem internationalen Versorgungsnetzwerk unterstützen. Auch wirtschaftliche Interessen spielen eine zentrale Rolle, etwa der Handel mit Gold, der Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen und die Bedeutung von Gummi Arabicum, von dem rund 90 Prozent der weltweiten Produktion aus dem Sudan stammen. Jaschek kritisiert zudem eine Berichterstattung, die den Sudan vor allem als humanitäre Katastrophe darstellt und dabei die politischen und internationalen Strukturen hinter dem Krieg ausblendet. Besonders dramatisch ist die Lage der Zivilbevölkerung, denn neben den unmittelbaren Kriegsfolgen führen der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, Krankheiten, fehlendes Trinkwasser, Vertreibung und sexualisierte Gewalt zu weiteren Opfern. Gleichzeitig dokumentiert die sudanesische Zivilgesellschaft die Kriegsverbrechen und leistet vor Ort humanitäre Hilfe. Für einen dauerhaften Frieden, so Jaschek, müssten neben gezieltem internationalen Druck und Sanktionen auch die sudanesische Zivilgesellschaft und die betroffene Bevölkerung in politische Prozesse einbezogen werden, statt eine Lösung über ihre Köpfe hinweg auszuhandeln. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry
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Folge vom 09.09.2026E27 "Making-Of" einer Irak-Reportage zwischen Bagdad und Felluscha.,Zum 25. Jahrestag von 9/11 hat die ORF-Sendung "Weltweit" Karim El-Gawhary in den Irak geschickt. Denn die Irak-Invasion wurde vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush als Teil des Kampfes gegen den Terror verkauft, obwohl Saddam Hussein damals nichts mit den Anschlägen des 11. Septembers zu tun hatte. Die Reportsage sollte darstellten, welche Folgen dieser Kreig bis heute im Irak hat. Nach seinen Vertragsende als Korrespondent des ORF in Kairo war ausgemacht, dass El-Gawhary,abseits von den täglichen Newssendungen, gelegentlich noch als freier Mitarbeiter für den ORF für längere Magazin-Reportagen in der Region zur Verfügung steht. Eine Irak Reportage für die Sendung Weltweit ist das erste Produkt dieser neuen punktuellen Mitarbeit.In dieser Folge nimmt euch El-Gawhary mit, damit ihr erleben könnt, wie eine solche Reportage entsteht.. Es ist eine Art „ Making-of“-Hör-Kollage. Ein Eindruck. Die eigentliche Sendung könnte ihr dann am 11. September im Magazin Weltweit um 21:20 in ORF2 oder on demand auf ORF on sehen. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry
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Folge vom 02.09.2026E26 Raufen Sie sich manchmal als Migrationsforscherin bei den öffentlichen Debatten die Haare? Ein Gespräch mit Judith KohlenbergerMigration wird in Europa emotional und politisch aufgeladen diskutiert, während sich politische Entscheidungen laut Judith Kohlenberger zunehmend von den Erkenntnissen der Migrationsforschung entfernen. Im Gespräch mit El-Gawhary geht es zunächst um Ceuta und die Frage, warum gerade Länder mit mittlerem Einkommen besonders hohe Migrationsraten aufweisen und weshalb Migration nicht nur eine Frage von Flucht und Armut ist. Kohlenberger erklärt, dass weltweit nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Menschen migriert und dass Migrantinnen und Migranten häufig über mehr Bildung, Einkommen und Netzwerke verfügen als der Durchschnitt ihrer Herkunftsgesellschaft. Sie beschreibt außerdem, warum sinkende Asylzahlen und eine gleichzeitig immer aufgeheiztere Debatte auseinanderfallen und warum Migration in Deutschland und Österreich längst Teil einer Migrationsgesellschaft ist. Abschottung und Abschreckung hält sie für keine nachhaltige Lösung, weil Menschen bei fehlenden regulären Wegen auf irreguläre Routen ausweichen und Europa zugleich auf migrantische Arbeitskräfte angewiesen ist. Anhand des „Asylparadoxons“, des „Flüchtlingsparadoxons“ und des „Integrationsparadoxons“ zeigt sie, welche Widersprüche das europäische Migrations- und Asylsystem prägen. Als mögliche Alternativen nennt sie unter anderem reguläre und temporäre Arbeitsmigration, humanitäre Aufnahmeprogramme sowie eine stärkere Europäisierung des Asylrechts mit gemeinsamen Verfahren und einer kommunalen Organisation der Aufnahme. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry