
HörspielLesung
Volker Ullrich: Acht Tage im Mai | Teil 11 von 15
Teil 11/15 | Menschen bewegen sich unsicher durch die Straßen. Die kleine Unterbrechung im Geschichtsunterricht versetzt sie in Unruhe. Die Unsicherheit zwischen dem, was war, und dem, was noch kommen mag, verwirrt sie zutiefst – notierte Erich Kästner einen Tag vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in seinen Aufzeichnungen. Was in diesem scheinbaren Vakuum tatsächlich passierte, wird in diesem Sachbuch geschildert. Zum Jahrestag der Befreiung senden wir eine verkürzte Hörfassung.
Volker Ullrich hat das Talent, Geschichte lebendig werden zu lassen: Der Historiker und Publizist porträtiert die dramatische Wende zwischen dem Fall der nationalsozialistischen Herrschaft und dem Beginn der neuen deutschen Nachkriegsordnung. Der historische Verlauf startet am 30. April 1945. Tief im Bunker der Alten Reichskanzlei nehmen Adolf und Eva Hitler sich das Leben. Wenige Stunden später weht die sowjetische Rote Fahne auf dem Reichstagsgebäude. Rein formal bestimmte Hitler den Oberbefehlshaber der Marine, Großadmiral Dönitz, zu seinem Nachfolger. In den darauf folgenden Tagen offenbart sich, wie sehr die Regierung Dönitz inhaltlich und personell dem NS-Regime verhaftet bleibt.
Doch Volker Ullrich beleuchtet nicht nur die Geschichte der politischen Akteure, sondern auch die vielen anderen Erzählungen: aus Orten wie Berlin, Hamburg, Köln, München oder dem kleinen Demmin, wo die Selbstmorde drastisch zunehmen. Er berichtet über die vielschichtigen Schicksale von Soldaten, Heimatlosen, Kriegsgefangenen, Verschleppten und den hunderttausenden KZ-Insassen, die noch zu Todesmärschen gezwungen werden. Zudem zeichnet er eindrucksvolle Miniaturen von Persönlichkeiten, die erst in der Nachkriegszeit größere Bedeutung erlangten, wie Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Helmut Schmidt. Es wird klar, dass die Geschichte dieser Tage keineswegs stillsteht, sondern voller turbulenter Entwicklungen ist.
Am Mittag des 7. Mai wird die bedingungslose Kapitulation Deutschlands über den Rundfunk verkündet, am Abend des 8. Mai 1945 wird sie vollzogen. Angesichts der umfassenden physischen und ethischen Zerstörung wird es noch Jahre dauern, bis die demokratische Ordnung in Deutschland wiederhergestellt ist.
Volker Ullrich war beinahe zwei Jahrzehnte bis 2009 Leiter des Ressorts "Politisches Buch" bei der Wochenzeitung Die ZEIT. Er hat zahlreiche einflussreiche historische Werke verfasst, darunter "Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871 – 1918" (1997) und eine vielbeachtete zweibändige Biographie über Hitler (2013 und 2018), die in zahlreiche Sprachen übertragen wurde. Volker Ullrich wurde 1992 mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet und 2008 mit der Ehrendoktorwürde der Friedrich-Schiller-Universität Jena geehrt. Zum 80. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 2025 präsentieren wir eine verkürzte Ausgabe seines Werkes "Acht Tage im Mai. Die letzte Woche des Dritten Reiches", welches 2020 veröffentlicht wurde.
"Volker Ullrich: Acht Tage im Mai " im Überblick
Volker Ullrich: Acht Tage im Mai
von Volker Ullrich
Mit Peter Bieringer
| Sendezeit | Mo, 19.05.2025 | 09:30 - 10:00 Uhr |
| Sendung | hr2-kultur "Lesung" |