
Feature
Vor 50 Jahren: Im April 1968 Kaufhaus-Brandstiftung in Frankfurt am Main
Claudias Mutter wurde im geteilten Deutschland als Terroristin gesucht. Sie wuchs bei ihrem Vater auf. Dann verschwand die Mutter 14 Jahre lang. In der Zeit gründete sie eine zweite Familie in der DDR, ohne sich einmal bei Claudia zu melden. Rosvita Krausz über ein bewegendes Schicksal.
Ihr Schulweg wurde ihr zum Graus, jedes Fahndungsfoto, dem sie begegnete, erfüllte sie mit Scham und Angst. Gleichzeitig sehnte sie sich nach ihrer Mutter, die sie fast nie zu sehen bekam, abseits ihrer Fotos auf den Plakaten. "Gefährliche Terroristin Jutta M. gesucht. 100.000 DM für den, der einen Hinweis geben kann." stand auf ihnen. Der Vater kümmerte sich um Claudia.
Heute ist Claudia M., geboren 1968, Fotografin und sie erinnert sich noch daran, dass sie nicht mal wusste, was eine Terroristin sein sollte. Dann wurde das Attentat Ende August 1977 auf Jürgen Ponto verübt und Jutta verschwand vollkommen, für 14 Jahre. All die Zeit hoffte Claudia weiter. Dann, zur Wende, erhielt sie die Meldung: ihre Mutter Jutta M. lebte die ganze Zeit über in DDR, gründete dort eine zweite Familie, lebte ein bürgerliches Leben.
Die DDR gewährte der RAF-Aussteigerin Asyl, als "Feind des Feindes" wurde ihr ein Leben in Schwedt an der Oder ermöglicht, und nicht, wie Claudia es sich ausgemalt hatte, fernab in Mexiko. Wie erlebten alle Beteiligten die Trennung? Wie ging Claudia mit dem Verlust ihrer Mutter um, wie mit der Meldung, dass sie wieder aufgetaucht war?
Die Journalistin Rosvita Krausz traf Mutter, Tochter und Vater unter deren Bedingung, keine echten Namen zu nennen, und eröffnet dem Hörer somit eine Gesamtansicht dieses heiklen Familienbildes.
Zum Autor
Rosvita Krausz, Studium der Germanistik in Hamburg, danach Besuch der NDR-Rundfunkschule bei Axel Eggebrecht. Sie ist eine der wenigen Autoren, die im Feature für ihre besonders langen Recherchen bekannt geworden ist, immer versucht sie, sich der Wahrheit von vielen Perspektiven zu nähern. Ihre Stücke erzählen von Außenseitern und Grenzgängern, von Traumatisierten. Rosvita Krausz lebt und arbeitet als freie Rundfunkautorin in Hamburg. Ihre jüngstes Feature "Vogelfrei - Leben mit Personenschutz" entstand 2018 für den Deutschlandfunk
"Die Tochter der Terroristin" im Überblick
Die Tochter der Terroristin
von Rosvita Krausz
| Sendezeit | Mi, 13.06.2018 | 20:00 - 21:00 Uhr |
| Sendung | MDR KULTUR "Feature" |