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Was kostet ein Mensch? - Preislisten von der Sklaverei bis zum Organhandel
Seit 6.000 Jahren, seit erstmals eine Kuh als Zahlungsmittel für eine Braut ausgehandelt wurde, gibt es Preislisten für Menschen. Sie dienten und dienen als Kalkulationsbasis für den Sklavenhandel vom Alten Ägypten bis in die Gegenwart. Der Marktwert einer jungen Frau aus Osteuropa oder Asien etwa, die in Europa zu Prostitution gezwungen wird, ist relativ hoch. Bis zu 67.000 Dollar pro Jahr kann ein Menschenhändler an ihr verdienen. Die Rechenexempel stehen auch für rassistische Überlegungen. In der US-Verfassung von 1787 ist ein Schwarzer nur so viel wert wie ein Fünftel-Weißer, und der Wert der indigenen Bevölkerung beläuft sich auf Null.
Seit - im Zuge des medizinischen Fortschritts - der menschliche Körper als Ersatzteillager fungiert, gibt es Preislisten für Herz, Niere, Lunge oder Augen, die man sich bequem vom Internet laden kann. Menschenleben beginnt seit 200 Jahren auch versicherungstechnisch "wertvoll" zu werden. Gerade die Versicherungsbranche illustriert den tiefen Graben zwischen Erster und Dritter Welt. So wird die Entschädigungssumme für ein Opfer des Anschlages auf das World-Trade-Center tausendfach höher bemessen, als die Summe für ein Tsunami-Opfer.
"Was kostet ein Mensch - Preislisten von der Sklaverei bis zum Organhandel" im Überblick
Was kostet ein Mensch - Preislisten von der Sklaverei bis zum Organhandel
von Peter Angerer & Josef Nussbaumer
Produktion: 2006
| Sendezeit | Sa, 20.09.2008 | 18:04 - 19:00 Uhr |
| Sendung | Deutschlandfunk Kultur "Feature" |