Der Reporter Theo Gallehr lässt alle Parteien zu Wort kommen
Der Reporter Theo Gallehr lässt alle Parteien zu Wort kommen © vxdigital / freeimages.com

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Wer hat Angst vor dem Milchmann?

Eine Reise durch Deutschland im Herbst 1977 zeigt verschiedene Facetten des Landes: Stammtische, Schützenvereine, Polizeistimmen und Szenen von der Beisetzung der in Stammheim gestorbenen RAF-Terroristen.

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Auf einer Reise durch Deutschland im Herbst 1977 begegnet man Stammtischen, Schützenvereinen, Stimmen der Polizei und Szenen von der Beisetzung der verstorbenen RAF-Terroristen in Stammheim.

Der Instinkt des Reporters und Dokumentarfilmers, Theo Gallehr, führt ihn in diesen historischen Tagen, in den aufgewühlten Wochen zwischen Entführung und Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, dazu, die Gesellschaft auf ihre politische Unruhe hin zu untersuchen.

Das Mikrofon dient als Messinstrument. Es nimmt nicht nur das gesprochene Wort auf, sondern auch die Töne der Angst und Verunsicherung. Die Angst vor Terrorismus auf der einen und vor dem repressiven Polizeistaat auf der anderen Seite ist spürbar. Roher Hass und Wut wird ihm auf der Straße entgegengebracht, repressive Fantasien gegen die RAF-Mitglieder genauso wie der paranoid wirkende Wahn ihrer Sympathisanten. Und stets bleibt der Autor neutral, indem er beide Lager zu Wort kommen lässt.

Der Autor Theo Gallehr legt Wert darauf, immer die Meinung des Einzelnen zu hören, er lässt nur den Einzelnen zu Wort kommen, sowohl am Stammtisch als auch anderswo, und stellt dessen Gedanken und Ausdrucksweise den (manchmal neutralen, manchmal stark voreingenommenen) Schlagzeilen der meinungsbildenden Medien gegenüber. Es geht um die öffentliche und private Sprache einer Gesellschaft in einer Ausnahmesituation.

Zum Autor

Theo Gallehr wurde 1929 in Lehr geboren und verstarb 2001 in Hamburg. Er war Kneipenwirt in München und arbeitete bis 1962 als Regisseur beim Bayerischen Rundfunk. Gemeinsam mit Rolf Schübel bildete er das "Cinecollectiv". Zu ihren Dokumentarfilmen zählen "Der deutsche Kleinstädter" (1968) und "Rote Fahnen sieht man besser" (1970/71), beide erhielten den Adolf-Grimme-Preis. Die Auszeichnung des Preises der Deutschen Filmkritik erhielten Theo Gallehr und Rolf Schübel 1971 und 1972.

"Wer hat Angst vor dem Milchmann?" im Überblick

Wer hat Angst vor dem Milchmann?

von Theo Gallehr

Produktion: 1979

Sendezeit Sa, 25.05.2024 | 18:04 - 19:00 Uhr
Sendung Deutschlandfunk Kultur "Feature"
Radiosendung