Die Verschmelzung von Mensch und Maschine ist in der Medizin bereits in vollem Gang: Implantierte Computer-Chips überwinden Taubheit, Lähmung oder Parkinson, teils durch gedankliche Impulse. Entwickeln wir uns zu Cyborgs? Großes Aufsehen – von quasi-religiöser Hoffnung bis hin zu tiefsitzenden Ängsten – erregt die Vision, bereits in wenigen Jahren unser Gehirn durch KI-Chips mit dem Internet und dem Wissen der Welt zu verbinden.
Das wirft große Fragen auf: Ist eine solche Entgrenzung des menschlichen Geistes wirklich vorstellbar und biologisch möglich? Bettet sie sich in das uns bekannte Verschmelzen mit Werkzeugen – mit dem Handy oder auch mit einer Geige – ein? Kann das Bewusstsein dann noch unterscheiden, ob sein verfügbares Wissen aus eigener Lernerfahrung oder aus dem Web stammt? Welche Chancen und welche Gefahren sind mit der Entwicklung verbunden? Welche Gerechtigkeitsfragen wirft sie auf? Wird durch den Brain-Booster für Reiche ein Teil der Menschheit noch weiter abgehängt? Oder sind die Gechipten dann nur noch Handlanger der KI?
Für diese Klärungen haben wir Prof. Dr. Thomas Fuchs zu Gast, der wie kein anderer das Gehirn als ein dem ganzen Menschen zugeordnetes und für (Außen-) Beziehungen zuständiges Organ versteht. Auf dieser Basis bettet er die Erkenntnisse der Neurologie und auch die neuen medizinischen Möglichkeiten in ein ganzheitliches Bild des Menschen in seiner körperlichen Verfasstheit ein. Auch Prof. Dr. Georg Gasser aus Augsburg hat als Philosoph an der Theologischen Fakultät einen geeigneten Referenzrahmen, um die transhumanistischen Träume einer Bewertung aus christlicher Sicht zu unterziehen.
Prof. Dr. Thomas Fuchs und Prof. Dr. Georg Gasser diskutierten online mit Akademiedirektor Dr. Achim Budde am 15.10.2025.
ReligiösTalk
zur debatte Folgen
Dokumentierte Vielfalt hören von Veranstaltungen der Katholischen Akademie in Bayern. Referate, Diskussionen und Gespräche zu Themen, die Kirche und Gesellschaft interessieren: Expertinnen und Experten haben das Wort.
Folgen von zur debatte
239 Folgen
-
Folge vom 18.10.2025Gespräch zum Thema 'KI-Chip im Hirn - Transhumanistische Träume für unser Beziehungsorgan'
-
Folge vom 11.10.2025Markus Vogt: Ambivalenzen der Macht – Überlegungen aus sozialethischer SichtRomano Guardini veröffentlichte 1951 unter dem Titel „Die Macht – Versuch einer Wegweisung“ eine Denkschrift, die auffällig viele Bezüge zu unserer Gegenwart aufweist – in Europa und weltweit. Bisher für stabil gehaltene soziale Systeme scheinen plötzlich zu erodieren. Autokraten bemächtigen sich immer häufiger offener Zivilgesellschaften. Aber auch die Mächtigen fühlen sich zunehmend vereinnahmt von ihrer eigenen Machtfülle. „Die Familie verliert ihre gliedernde und ordnende Funktion“, resümiert Guardini, „die neuen Städte gleichen einander immer mehr, ob sie nun in Europa oder in China, in Nordamerika, Russland oder Südamerika entstehen.“ Von dieser Nivellierung ausgehend bildet sich ein neuer Typus Mensch heraus, „der aus dem Augenblick lebt, einen beängstigenden Charakter beliebiger Vertretbarkeit bekommt und dem Zugriff der Macht bereitsteht.“ Die Rückbesinnung auf die transzendente Dimension kann eine Wegweisung sein. Die Beziehung zu Gott öffnet dem Menschen einen Freiraum, der ihn vor dem Zugriff der Macht wappnen kann. Guardini bleibt in der Kritik an den Verhältnissen nicht stehen. Es geht ihm um die Aufgabe, die Macht so einzuordnen, dass der Mensch in ihrem Gebrauch als Mensch bestehen kann und nicht restlos Machtmechanismen ausgesetzt ist oder ihnen gar verfällt. Prof. Dr. Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, referiert zu dem Thema Ambivalenzen der Macht – Überlegungen aus sozialethischer Sicht.
-
Folge vom 11.10.2025Michael Seewald: Menschlichkeit und Machtgefahr - Überlegungen zu Begriffen Romano GuardinisRomano Guardini veröffentlichte 1951 unter dem Titel „Die Macht – Versuch einer Wegweisung“ eine Denkschrift, die auffällig viele Bezüge zu unserer Gegenwart aufweist – in Europa und weltweit. Bisher für stabil gehaltene soziale Systeme scheinen plötzlich zu erodieren. Autokraten bemächtigen sich immer häufiger offener Zivilgesellschaften. Aber auch die Mächtigen fühlen sich zunehmend vereinnahmt von ihrer eigenen Machtfülle. „Die Familie verliert ihre gliedernde und ordnende Funktion“, resümiert Guardini, „die neuen Städte gleichen einander immer mehr, ob sie nun in Europa oder in China, in Nordamerika, Russland oder Südamerika entstehen.“ Von dieser Nivellierung ausgehend bildet sich ein neuer Typus Mensch heraus, „der aus dem Augenblick lebt, einen beängstigenden Charakter beliebiger Vertretbarkeit bekommt und dem Zugriff der Macht bereitsteht.“ Die Rückbesinnung auf die transzendente Dimension kann eine Wegweisung sein. Die Beziehung zu Gott öffnet dem Menschen einen Freiraum, der ihn vor dem Zugriff der Macht wappnen kann. Guardini bleibt in der Kritik an den Verhältnissen nicht stehen. Es geht ihm um die Aufgabe, die Macht so einzuordnen, dass der Mensch in ihrem Gebrauch als Mensch bestehen kann und nicht restlos Machtmechanismen ausgesetzt ist oder ihnen gar verfällt. Prof. Dr. Michael Seewald, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster, stellt seine Überlegungen zu zwei Begriffen Romano Guardinis vor.
-
Folge vom 11.10.2025Jean Greisch: Romano Guardinis Auseinandersetzung mit dem Phänomen der MachtRomano Guardini veröffentlichte 1951 unter dem Titel „Die Macht – Versuch einer Wegweisung“ eine Denkschrift, die auffällig viele Bezüge zu unserer Gegenwart aufweist – in Europa und weltweit. Bisher für stabil gehaltene soziale Systeme scheinen plötzlich zu erodieren. Autokraten bemächtigen sich immer häufiger offener Zivilgesellschaften. Aber auch die Mächtigen fühlen sich zunehmend vereinnahmt von ihrer eigenen Machtfülle. „Die Familie verliert ihre gliedernde und ordnende Funktion“, resümiert Guardini, „die neuen Städte gleichen einander immer mehr, ob sie nun in Europa oder in China, in Nordamerika, Russland oder Südamerika entstehen.“ Von dieser Nivellierung ausgehend bildet sich ein neuer Typus Mensch heraus, „der aus dem Augenblick lebt, einen beängstigenden Charakter beliebiger Vertretbarkeit bekommt und dem Zugriff der Macht bereitsteht.“ Die Rückbesinnung auf die transzendente Dimension kann eine Wegweisung sein. Die Beziehung zu Gott öffnet dem Menschen einen Freiraum, der ihn vor dem Zugriff der Macht wappnen kann. Guardini bleibt in der Kritik an den Verhältnissen nicht stehen. Es geht ihm um die Aufgabe, die Macht so einzuordnen, dass der Mensch in ihrem Gebrauch als Mensch bestehen kann und nicht restlos Machtmechanismen ausgesetzt ist oder ihnen gar verfällt. Prof. Dr. Jean Greisch, Professor em. für Philosophie und ehemaliger Inhaber der Guardini-Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung an der Humboldt-Universität zu Berlin, gilt als einer der besten Kenner Romano Guardinis. Prof. Dr. Jean Greisch referierte zum Thema 'Romano Guardinis Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Macht' bei der Guardini-Tagung 30.1.-1.2.2020.