Das Leben der Künstlerin Diagne Chanel
Das Leben der Künstlerin Diagne Chanel © Charlie Balch / freeimages.com

Feature

Diagne Chanel - Ein Künstlerin zwischen Europa und Afrika

Im Süden Senegals, unter den Schatten der Mangobäume auf ihrem Familienbesitz, entstanden die hölzernen Kunstwerke von Diagne Chanel. Diese Werke, die von westlichen Einflüssen der Kunst- und Kulturgeschichte geprägt sind, begleiten sie seit ihrer Jugend. Jetzt hat die Künstlerin beschlossen, Senegal zu verlassen und ihre Werke nach Frankreich, ihre neue Heimat, zu überführen. Auf ihrer Reise denkt sie über den Zwiespalt zwischen ihrer europäischen und afrikanischen Herkunft nach.

Ein alter, schwer beladener LKW, dessen Baujahr und Kilometerstand im Dunkeln bleiben, rollt fast einen ganzen Tag mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h über teilweise raue Nationalstraßen Senegals zum Hafen in Dakar.

Mit an Bord befinden sich neben Diagne Chanel auch ihre Skulpturen, die gemeinsam die Seereise nach Frankreich antreten werden, das Heimatland der Schöpferin. Diese Kunstwerke entstanden über viele Jahre hinweg während ihrer Aufenthalte in Sédhiou in der südlichen Region Casamance auf dem Anwesen ihres senegalesischen Großvaters, Amadou Mapaté Diagne. Dieser war in der Kolonialzeit Frankreichs Schulinspektor und der erste westafrikanische Autor, der auf Französisch schrieb.

Über ein Jahrzehnt lang versuchte seine Enkelin, diesen Ort zu einem Zentrum für kulturellen Austausch und Erinnerung zu verwandeln und gleichzeitig als Raum für ihre eigene künstlerische Tätigkeit zu nutzen. Ihre Arbeit ist stark durch die Faszination für die westliche Kunstgeschichte geprägt, insbesondere für die Meisterwerke der italienischen Renaissance und die majestätische Architektur und Gartenkunst jener Zeit, wie sie etwa in den prächtigen Boboli-Gärten des Palazzo Pitti in Florenz zum Ausdruck kommt.

In einem Land, in dem koloniale Machtverhältnisse bis heute spürbar sind, stellt Diagne Chanel die Rolle von Kunst und Kultur aus einer westlich beeinflussten Perspektive zur Diskussion. Sie verknüpft diese Ansichten mit ihrer senegalesischen Abstammung und dem kulturellen Erbe ihrer Familie, auch wenn diese oft im Gegensatz zu den lokalen Traditionen stehen. Ihre künstlerische Vision fand jedoch vor Ort nicht die erhoffte Resonanz. Der lokale Rückhalt in Sédhiou war aus ihrer Sicht enttäuschend und die erwünschte Wirkung blieb aus. Deshalb beendet sie nun das Projekt an einem Ort, an dem sie sich trotz ihrer familiären Bindungen meist als Außenseiterin fühlte. Diese Erfahrung reflektiert die inneren Konflikte, die ihre Lebensgeschichte schon immer begleiteten.

Diese Reise ins Leben von Diagne Chanel zeichnet das Bild einer Künstlerin und Frau, die als Métisse zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen ist, und sich unermüdlich mit ihrer zerrissenen Identität, ihrer Herkunft, ihrem Selbstverständnis und ihrer Zugehörigkeit auseinandersetzt.

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"Diagne Chanel - Ein Künstlerin zwischen Europa und Afrika" im Überblick

Diagne Chanel - Ein Künstlerin zwischen Europa und Afrika

von Diagne Chanel

Produktion: 2026

Sendezeit Sa, 07.11.2026 | 09:05 - 10:00 Uhr
Sendung Ö1 "Hörbilder"
Radiosendung