Max Duttenhofer hätte die Apotheke des Vaters übernehmen sollen. Aber es kommt anders. Ihn interessiert mehr das Schießpulver. Im Neckartal bei Rottweil baut er eine Pulverfabrik, es ist die Keimzelle zu einem "schwäbischen Kartell" mit Daimler und der Gewehrfabrik Mauser. Johann Reißer erzählt die Geschichte des widersprüchlichen Frauenhelds und weitgereisten, kiffenden Industriellen und Netzwerks, aber er entwirft in seinem Debütroman auch ein Panorama Deutschlands. Vor allem erzählt er, wie die Schießpulverfabrik eine ganze Stadt bestimmt.
"Pulver" ist Wimmelbild, Sozialkritik, Industriegeschichte. Stephan Ozsváth ist mit ihm über die Insel Eiswerder in Berlin-Spandau gestreift, einst wichtiges Zentrum preußischer Rüstungsindustrie.
Das Buch:
Johann Reißer: Pulver, FVA, 480 Seiten, 26,00Euro.
Die Bücher, über die Stephan und Johann sonst noch sprechen:
Johann empfiehlt
Shoshana Zuboff: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus. Campus Verlag. 727 Seiten, 25 Euro.
Olga Tokarczuk: Spiel auf vielen Trommeln. Kampa Verlag, 386 Seiten, 26,00 Euro.
Stephan empfiehlt
Yaryna Chornohuz: Dasein: Verteidigung der Präsenz. Mauke-Verlag. 104 Seiten. 20,00 Euro.
Der Autor
Johann Reißer, geboren 1979 in Regensburg. Ausbildung zum Steuerfachangestellten, Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in Regensburg und Berlin. Er promovierte über Archäologie und Sampling in der deutschen Lyrik nach 1960. Er schreibt Theaterstücke und Performances, seine Auftritte sind oft intermedial. Er lehrt Kreatives Schreiben und Philosophie in Bildungs- und Kultureinrichtungen, moderiert und organisiert Kulturveranstaltungen. 2014 war er Stadtschreiber in Rottweil. "Pulver" ist sein erster Roman.
Der Ort
Insel Eiswerder, Berlin-Spandau
Podcast-Tipp
Buchgefühl – Lesung und Gespräch in ARD Sounds
https://www.ardsounds.de/sendung/buchgefuehl-lesung-und-gespraech/urn:ard:show:35ac3473ddd03266/
Kultur & Gesellschaft
Orte und Worte Folgen
Der Bücherpodcast vom rbb. Ein Buch, ein Ort, eine Begegnung: Wir sprechen mit Autorinnen und Autoren über ganz persönliche Themen, ihre aktuellen Bücher, das Schreiben und die kreative Arbeit. Unsere Hosts Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn und Stephan Ozsváth verabreden sich an Orten, die wichtig sind als Schauplatz oder zur Inspiration, mit dem Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg. Alle Tipps, Empfehlungen und Orte findet Ihr in den Beschreibungen und Shownotes der Podcast Folgen.
Folgen von Orte und Worte
99 Folgen
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Folge vom 21.05.2026Mit Johann Reißer auf den Spuren der Berliner Rüstungsindustrie
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Folge vom 14.05.2026Mit Matthias Nawrat in der Freien UniversitätDie junge polnische Wissenschaftlerin Wanda bekommt 1983 die Erlaubnis, von Krakau nach Venedig zu reisen, um den Systemtheoretiker Mrugalski für ihre Forschung zu befragen. Aber schon bald wird klar, dass es um mehr geht. Sie scheint eine persönliche Rechnung mit dem Landsmann im Exil offen zu haben, die weit in die brutale europäische Vergangenheit führt, in den Zweiten Weltkrieg, sowjetische Gulags und Foltergefängnisse im sowjetisch kontrollierten Nachkriegs-Krakau und ins westeuropäische Exil. Gleichzeitig spürt Wanda im Polen der 80er Jahre, wie die Politik auch in ihr eigenes Leben eindringt. "Das glückliche Schicksal" stellt Fragen nach Schuld, Moral und Verantwortung. Darüber haben Nadine und Matthias gesprochen, als sie sich an der Freien Universität Berlin getroffen haben. Hier hat Matthias gerade eine Gastprofessur, während bei Nadine Erinnerungen an ihre Studienzeit hochkommen. Das Buch Matthias Nawrat: "Das glückliche Schicksal", Rowohlt, 272 Seiten. Die Bücher, über die Nadine und Matthias sonst noch sprechen: Matthias empfiehlt Anna Maria Ortese: "Neapel liegt nicht am Meer", Friedenauer Presse, 231 Seiten. Nadine empfiehlt Peggy Mädler: "Selbstregulierung des Herzens", Galiani Berlin, 304 Seiten. Der Autor Matthias Nawrat wurde 1979 im polnischen Opole geboren. Im Alter von zehn Jahren emigrierte er mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Biologie in Heidelberg und Freiburg im Breisgau, danach Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Bienne und lebt heute in Berlin. Er hat als Wissenschaftsjournalist gearbeitet, Erzählungen und Essays veröffentlicht, er schreibt Romane und Gedichte. Er wurde mit dem Fontane Literaturpreis und mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet und war sowohl für den Deutschen Buchpreis als auch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Der Ort "Rostlaube" der Freien Universität in Berlin Dahlem.
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Folge vom 09.05.2026Mit Sharon Dodua Otoo in Berlin KreuzbergEs beginnt mit einem Mord. Amata Haller hat ihren Chef Heinz Brockhaus umgebracht, bei einem gemeinsamen Roadtrip an die Ostsee. Das ist gleich am Anfang klar. Und: Sie hat keine Reue. Die Spannung in Sharon Dodua Otoos zweitem Roman "So in etwa ist es geschehen" entsteht nicht aus der Frage, ob Amata diesen Mann getötet hat – sondern warum. Eine Geschichte, die Rassismus, Macht und Wut verhandelt – und die Frage stellt, wie tief Diskriminierungserfahrungen sitzen können. Anne-Dore und Sharon treffen sich im Berliner Büro der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und sprechen über May Ayim, Straßenumbenennungen, Männer wie Brockhaus, produktive Diskussionen und Mikroaggressionen, die sich in etwas viel Größeres verwandeln können. Der Ort Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) https://isdonline.de Die Autorin Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren. 2016 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2021 erschien ihr Debütroman "Adas Raum". Sie hat vier Söhne und lebt in Berlin. Das Buch Sharon Dodua Otoo: "So in etwa ist es geschehen", S. Fischer, 144 Seiten, 22,00 Euro. Sharon empfiehlt Jessica Mawuena Lawson: "Kekeli", Verbrecher Verlag, 246 Seiten, 24,00 Euro. Anne-Dore empfiehlt Judith Schalansky: "Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist", Suhrkamp Verlag, 176 Seiten, 24,00 Euro.
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Folge vom 23.04.2026Mit Maxim Leo beim Einatmen und Ausatmen in der rbb-DachloungeMarlene Buchholz ist ein "tough cookie", eine erfolgreiche Business-Frau, die zwar effizient ist, aber auch als empathielos gilt. Damit sie die Nachfolge des CEO bei Aviola antreten kann, wird sie zu einem zweiwöchigen Achtsamkeitskurs bei dem erfolgreichen Coach Alex Grow in Brandenburg verdonnert. Sie hat keine Lust, erlebt aber eine Läuterung und trifft wichtige Lebensentscheidungen. Sie begegnet den Menschen um das Schloss herum, aber vor allem sich selbst und den Familientraumata. Ein Buch über vererbte Traumata, Weichenstellungen im Leben, Empathie, Achtsamkeit und die falschen Glücksversprechen einer Wellness- und Coaching-Industrie, die ausgebrannte Leistungsträger wieder fit für das Hamsterrad macht. Das Buch Maxim Leo: "Einatmen – Ausatmen", Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 23,00 Euro. Maxim empfiehlt Haruki Murakami: "Die Ermordung des Comendatore", Zwei Bände, zusammen 998 Seiten, Du Mont Verlag, je 23,00 Euro. Der Autor Maxim Leo, 1970 in Ost-Berlin, stammt aus einer Ost-Berliner jüdischen Familie. Seine Mutter ist Journalistin, sein Vater Grafik-Designer. Sein Großvater müttlicherseits hat für die Resistance in Frankreich gekämpft, sein Großvater väterlicherseits war Wehrmachtssoldat und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Über seine Familie hat er mehrere Bücher geschrieben (Wer wir waren. Haltet Euer Herz bereit). Weil er zunächst nicht das Abitur machen durfte, machte Maxim Leo zunächst eine Ausbildung zum Chemie-Laboranten. Zwanzig Jahre arbeitete er für die “Berliner Zeitung”, schrieb mit Jochen Gutsch zusammen Kolumnen. Mit ihm hat er auch einige Bücher verfasst (Frankie u.a.). Maxim Leo ist Bestsellerautor und hat auch das Drehbuch für einen Tatort verfasst. Der Ort Im Studio 14 – DIE rbb-DACHLOUNGE https://www.radiodrei.de/kultursalon Podcast-Tipp Buchgefühl – Lesung und Gespräch in ARD Sounds https://www.ardsounds.de/sendung/buchgefuehl-lesung-und-gespraech/urn:ard:show:35ac3473ddd03266/