Düster, rückständig, frauenfeindlich – das Mittelalter hat einen schlechten Ruf. Völlig zu Unrecht. Vielmehr weisen seine Wirtschafts- und Lebensformen den Weg in eine bessere, nachhaltigere, emanzipiertere Zukunft, argumentiert Historikerin Annette Kehnel.
Mittelaltermärkte boomen, Fantasy-Sagas werden zu Bestsellern und Streaming-Hits. Abgesehen davon wird jedoch mit Abscheu und Angst auf das sogenannte Mittelalter geblickt. Die Zeit zwischen 500 und 1500 n. Chr. gilt als verlorene Epoche der Stagnation, des Aberglaubens und der Unterdrückung. Schuld daran ist eine Mischung aus Unwissen und Überheblichkeit, argumentiert Historikerin und Sachbuchautorin Annette Kehnel. Tatsächlich offenbart ein Blick auf die vormoderne Geschichte wertvolle Anregungen für unsere Zukunft – jenseits von Gewinnstreben und Eigennutz. Baustoffrecycling, Crowdfunding, nachhaltige Fischerei, Second-hand-Märkte – das alles gab es schon einmal. Wie konnte dieses Wissen verloren gehen? Und wie wäre es neu fruchtbar zu machen?
Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger entwirft Annette Kehnel Wege in ein anderes Wirtschaften.
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Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer Zeit.
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Folge vom 21.03.2026Annette Kehnel – Mit dem Mittelalter in die Zukunft
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Folge vom 14.03.2026Der Iran-Krieg und die Geopolitik der GegenwartDer Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA hat sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt und in der Region eine geopolitische Schockwelle ausgelöst. Was wollen die USA im Iran? Und wie verändert der Krieg die Spielregeln der internationalen Politik? Am 28. Februar 2026 starteten die USA gemeinsam mit Israel umfangreiche Luft- und Raketenangriffe auf iranische Ziele und töteten den langjährigen Obersten Führer des Iran Ali Chamenei. Die Offensive gilt als einer der grössten Militärschläge in der Region seit Jahren und löste umgehend massive Gegenangriffe Irans aus. Der Krieg markiert eine neue Eskalationsstufe eines bereits fragilen Machtgefüges. Die Folgen sind kaum abzuschätzen. Die Situation birgt erhebliche Risiken – nicht nur für die regionale Sicherheit, sondern auch für globale Märkte und Machtgefüge. Wohin führt der Konflikt? Wie weit werden die USA und Israel gehen? Und wie ist dieser Krieg aus moralischer und völkerrechtlicher Sicht zu bewerten? Das Gespräch unter der Leitung von Yves Bossart u.a. mit Kamran Safiarian, deutsch-iranischer Politikwissenschaftler und Journalist.
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Folge vom 07.03.2026Ist Altern eine Krankheit? Über den Traum vom langen LebenHundert gesunde Lebensjahre. Das soll bald normal sein. Dank «Longevity»: Gesunder Lebensstil, Prävention, Therapien und Pillen. Aber wozu eigentlich? Wie lange dauert ein gutes Leben? Yves Bossart im Gespräch mit dem Unternehmer Tobias Reichmuth und dem Journalisten Thomas Schulz. Aufhalten lässt sich das Älterwerden heute noch nicht. Aber verlangsamen. Durch einen gesunden Lebensstil, durch ausgewogene Ernährung, viel Bewegung, wenig Stress, guten Schlaf und ein soziales Umfeld. Daneben gibt es immer mehr Angebote, die uns lange Gesundheit versprechen oder gar eine Heilung von der Krankheit «Altern»: von Nahrungsergänzungsmitteln über Sauerstofftherapien bis zu Eingriffen in unsere Gene. «Longevity» ist ein Lifestyle, ein Megatrend und ein Milliardenmarkt. Das Ziel: Möglichst lange gesund sein, bald schon über 100 Jahre. Was ist davon zu halten? Wie viel Gesundheit gehört zu einem erfüllten Leben? Und wie sieht unsere Gesellschaft aus, wenn wir alle bald 120 Jahre alt werden? Darüber spricht Yves Bossart mit Tobias Reichmuth, einem der wichtigsten Vordenker und Investoren in der Schweiz, wenn es um Langlebigkeit geht, und mit Thomas Schulz, Journalist für das Magazin Der Spiegel und Autor des Buches «Projekt Lebensveränderung».
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Folge vom 28.02.2026Auf dem Weg zum weiblichen Zeitalter?Weltweit verschlechtert sich die Lage der Frau dramatisch: Abtreibungsverbote, Bildungsverbote, brutales Vorgehen gegen Demonstrantinnen. Ausgerechnet in dem Moment, in dem Frauen besser ausgebildet sind und mehr Rechte einfordern, droht der antifeministische und autoritäre Backlash. Ob auf den Barrikaden, in geheimen Netzwerken oder mit leiser Beharrlichkeit – Frauen prägen weltweit Revolutionen. Und aktuell kämpfen sie vielerorts im Umfeld autoritärer, antifeministischer Gesellschaften: Gegen Abtreibungsverbote in Teilen der USA und in Polen, gegen Bildungsverbote und massive Einschränkungen für Frauen in Afghanistan oder brutales Vorgehen gegen Demonstrierende im Iran. Zum Internationalen Frauentag rückt ihr oft übersehener Einfluss ins Zentrum: die Frauen sind laut, vernetzt und unaufhaltsam. Die Autorin und Journalistin Shila Behjat («Frauen und Revolution») vermutet trotzdem einen Übergang in ein neues, ein weibliches Zeitalter. Überall dort, wo heute um Demokratie gerungen wird, sind Frauen an der Front. Und Autokraten scheinen die Freiheit der Frauen ebenso zu fürchten wie die Freiheit selbst. Die Historikerin, Journalistin und Autorin Leonie Schöler («Beklaute Frauen - Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen: Die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte») zeigt zugleich, wie systematisch weibliche Geschichte verdrängt wurde: Wäre überliefert, was Frauen in Revolutionen, Wissenschaft, Kunst und Alltag tatsächlich geleistet haben, wäre das alte Bild vom überlegenen Mann und natürlichem Hausherrn so mächtig geblieben? Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März spricht Olivia Röllin mit den beiden darüber, was dieses weibliche Zeitalter sein soll, wie die Welt aussehen kann, wenn diese Freiheitsbewegungen erfolgreich gewesen sein werden, wo die solidarischen Männer sind, und wie sich die Zukunft verändern würde, wenn Frauen sichtbarer wären.