Franz Burda machte aus einer Offenburger Druckerei einen der großen deutschen Medienkonzerne. Seine Geschichte erzählt zugleich von Anpassung im Nationalsozialismus, Wirtschaftswunder und gesellschaftlichem Wandel. In SWR Kultur am Morgen sagt Historiker Tim Schanetzki, Mitautor des neuen Buchs „Der Mann fürs Bunte“: Burda habe stets das Image des „unpolitischen“ Verlegers gepflegt. „Unser Eindruck ist: Das ist eine ziemliche Untertreibung.“
Anpassung und Aufstieg im Nationalsozialismus
Schon vor 1933 war Burda mit einer Radiozeitschrift erfolgreich. Doch im NS‑Staat wurde gerade der Rundfunk zu einem hochpolitischen Medium. Schanetzki beschreibt eine „signalisierte Nähe gegenüber dem Nationalsozialismus“, die Burda zugleich geschickt dosiert habe. Den Begriff des Profiteurs hält der Historiker deshalb für angemessen, betont aber die Widersprüche. Burdas Erfolg lasse sich weder allein mit politischer Nähe noch mit unternehmerischem Geschick erklären.
Die Bunte war politischer als ihr Ruf
Nach dem Krieg wuchs Burda mit dem Wirtschaftswunder. Zeitschriften wie die Bunte und Burda Moden trafen den Geschmack der jungen Bundesrepublik. Doch auch hier entdeckten die Historiker Überraschendes. „Die Bewunderung für Willy Brandt würde man bei einem konservativen Verleger wie Franz Burda erst einmal nicht erwarten“, sagt Schanetzki. Auch mit der 68er Bewegung sei die Bunte differenzierter umgegangen als andere Medien. Burdas vermeintlich unpolitische Wohlfühlwelt war also durchaus politisch.
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