Live im HSV-Stadion

Über die Kunst einer guten Fußball-Reportage

Ein Fußballfeld von oben - der Blickwinkel von Fußball-Kommentatoren
Ein Fußballfeld von oben - der Blickwinkel von Fußball-Kommentatoren © Alfredo Camacho / stock.xchng

2. Seite: Jede Sekunde zählt

Die Imtech Arena ist das Büro von Jörg Tegelhütter und seinen Kommentatorenkollegen
Die Imtech Arena ist das Büro von Jörg Tegelhütter und seinen Kommentatorenkollegen © Laya Moghaddam / phonostar

Jörg Tegelhütter ist während der Saison zwei- bis dreimal im Monat im Stadion - nicht nur beim HSV, sondern bei allen Bundesligisten im Sendegebiet, also auch bei Hannover 96 und Wolfsburg. "Ich mache aber auch alles andere, was so anfällt. Zum Beispiel bin ich für die olympischen Reitdisziplinen zuständig."

Jetzt wird es laut im Stadion - Höwedes verstolpert den Ball im Mittelfeld, Lam ergattert das runde Objekt der Begierde, spielt zu Petric, der ins kurze Eck köpft. Ausgleich. "Eins muss man festhalten: Fährmann sah dabei nicht gut aus", analysiert Tegelhütter den Einsatz des Schalker Torhüters.

Verspätung kann sich ein Fußball-Kommentator beim Radio nicht leisten

"Es steht eins zu eins. Und so geht es auch in die Pause." Der Sportreporter streift flink seinen Kopfhörer ab, steht auf und eilt in die Reporterkabine direkt nebenan. Dort bleibt er am Türrahmen stehen, blickt zu seinem Kollegen Rolf Rainer Gecks - der für alle anderen ARD-Anstalten reportiert - und fragt: "Na, wie fandest du es bisher?"

Zu einer Antwort kommt Gecks nicht mehr, er winkt ab. Denn für ihn steht jetzt der "Halbzeitflash" an: "Noch dreißig Sekunden ab jetzt", sagt er und guckt auf eine Uhr mit Digitalanzeige, die direkt vor ihm steht. Er darf sich keine Sekunde Verspätung leisten, denn Sender wie der WDR schalten ohne Anmoderation zu fest vereinbarten Zeiten direkt zu ihm. Er wählt also einen neutralen Anfang für seine Kommentare. Mit einer Stoppuhr in der Hand atmet er ruhig ein und aus und legt schließlich los: "Huub Stevens ist hier in Hamburg bei dieser Sonntagspartie sehr freundlich begrüßt worden ..."

Jörg Tegelhütter nickt ihm zu und geht zurück zu seinem Arbeitsplatz. In wenigen Minuten beginnt die zweite Halbzeit. "Ich muss jetzt als erstes rausfinden, wer eingewechselt wurde - und zwar so schnell wie möglich." Denn wenn ein neuer Spieler ein Tor schieße, könne es sonst zu peinlichen Verwechslungen kommen. Bevor der Stadionsprecher die Spielernamen ansagt, hat Tegelhütter sie längst in seinen Unterlagen vermerkt.