Eine nächste »Guerilla-Attacke« auf die Festung Wissenschaft, mit Blick in die Zukunft:
Welche Rolle spielt Abstraktion für das moderne, wissenschaftliche Denken?
(1) Wir beginnen mit der Frage, wie sich das Denken vom Speziellen zum Allgemeinen, oder vom »Mythos« zum »Logos« entwickelt hat, besuchen dazu das antike Griechenland, Plato, Aristoteles und die Pythagoräer.
(2) Dann machen wir einen Zwischenstopp während der kommunistischen Revolution in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Entfernte Regionen der Sowjetunion wurden durch radikale soziale und ökonomische Änderungen gezwungen. Dazu gehört auch ein Bildungsprogramm, das die entferntesten russischen Regionen mit einschließt. Der russische Psychologe Alexander Luria begleitet diese Entwicklung und sieht dies als »natürliches Experiment«. Er fragt sich wenn man die Arbeit der Menschen verändert und ihnen mehr Abstraktion beibringt: welchen Einfluss wird das auf ihr Denken und ihren Geist haben?
»Vormoderne Menschen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, moderne Menschen die Bäume nicht im Wald.«
(3) Wir kehren dann in die Gegenwart um zu sehen, warum Abstraktion fundamental für einen erfolgreichen Umgang mit unserer Zukunft ist
John Dewey: Über das Lösen von Problemen
Flynn Effekt – und unser Lernen von der komplexen Umgebung in der wir uns bewegen
Wie reagieren Schule und Universität?
Und zuletzt stellt Franz Wuketits die These in den Raum, dass Abstraktion für unseren Umgang mit der Zukunft fundamental ist.
Referenzen
Griechenland
David C. Lindberg, The Beginnings of Western Science, Univ. of Chicago Press (1992)
Luciano de Crescenco, Geschichte der griechischen Philosophie, Diogenes (2016)
Günter Küppers (Hrsg.), Chaos und Ordnung, Formen der Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft, Reclam (1996)
Die sozialistische Revolution und die soziologische Beobachtung
David J. Epstein, Range, Penguin (2019)
J. R. Flynn, The Mean IQ of Americans: Massive Gains 1932 to 1978, Psychological Bulletin 95, no. 1 (1984)
Alexander Luria, Cognitive Development. Its Cultural and Social Foundations, Harvard University Press (1976)
Lernen, Gesellschaft und Zukunft
John Dewey, Theory of Inquiry (1938)
Franz M. Wuketits, Animal irrationale. Eine kurze (Natur-)Geschichte der Unvernunft, edition unseld (2013)
Weiteres
Nassim Taleb, Fooled by Randomness, Penguin (2007)
Alfred North Whitehead, The Education of an Englishman, The Atlantic Monthly, Vol. 138 (1926), p. 192.
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Woher kommen wir, wo stehen wir und wie finden wir unsere Zukunft wieder?
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Folge vom 12.08.2019009 - Abstraktion: Platos Idee, Kommunismus und die Zukunft
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Folge vom 29.07.2019008 - Alles wird besser... oder nicht? Teil 2Ist die Menschheit auf dem richtigen, oder wenigstens auf einem guten Weg? Wird alles im wesentlichen immer besser? Oder das Gegenteil: sind wir gerade dabei uns systematisch zu zerstören? Diese Frage schließt einerseits unmittelbar an unsere Episode über Fakten, Daten und Wissenschaft an. Eigentlich sollte sie also einfach zu beantworten sein. Es stellt sich heraus: es ist alles gar nicht so einfach und es gibt lautstarke unterschiedlichen Lager. Wir werden erkennen, dass, selbst wenn alle Seiten in einer Diskussion sich tatsächlich auf Fakten berufen, der Schluss, der daraus gezogen werden kann, in vielen Fällen alles andere als trivial ist. »Keine Lüge, die etwas auf sich hält, enthält Unwahres. Was letztlich präpariert wird, ist vielmehr das Weltbild als Ganzes […] Dieses Ganze ist dann weniger wahr, als die Summe der Wahrheiten seiner Teile […] Die Aufgabe derer, die uns das Weltbild liefern, besteht also darin, aus vielen Wahrheiten ein Ganzes für uns zusammenzulügen.«, Günther Anders Lassen wir den Begriff der »Lüge« weg und transformieren wir das Zitat zu: selbst wenn alle Fakten in einer Argumentationskette korrekt sind, kann die Summe, das Ganze irreführend oder gar falsch sein. Und dies muss nicht notwendigerweise aus bösem Willen geschehen. Die Frage, die wir an den Anfang gestellt haben, hat aber eine zweite wichtige Komponente: Narrative. »Menschen sind die Produkte der Geschichten, die sie über sich selbst erzählen, die ihre Gemeinschaft über sich erzählt. Fakten spielen dabei höchstens eine untergeordnete Rolle.«, Philipp Blom »Bewegungen, welche die Welt zu verändern suchen, beginnen oft damit, dass sie die Geschichte umschreiben und die Menschen damit in die Lage versetzen, sich die Zukunft neu auszumalen.«, Yuval Noah Harari Ich denke nicht, dass Fakten in der öffentlichen Diskussion nutzlos oder wirkungslos sind, sie haben nur nicht die Wirkung, wie es sich manche wünschen würden – und das durchaus auch aus guten Gründen, wie wir sehen werden. Es ist daher von großer Bedeutung für gesellschaftlich zentrale Fragen nicht nur die Daten und Fakten kritisch zu hinterfragen, sondern dann auch deren Interpretation und Deutung konstruktiv zu diskutieren. Allzu leicht fällt man hier in zu einfache ideologische Raster. In den beiden Teilen dieser Episode werden wir uns etwas genauer mit den Argumenten »beider Seiten« auseinandersetzen. Denn es erscheint mir wichtig, diesen intellektuellen Konflikt einmal durchzuspielen, da wir einige Prinzipien typischer Probleme des 21. Jahrhunderts erkennen können. Außerdem sind diese Aspekte sind eine wesentliche Motivation für diesen Podcast. Ein paar Thesen, die in späteren Episoden vertieft werden, können vorweggenommen werden: Ohne Wissenschaft und Technologie kann es keine Zukunft für 9-11 Milliarden Menschen geben. Wir haben natürliche Ressourcen weit überstrapaziert und müssen hier dramatisch gegensteuern Auch die menschlichen Systeme haben eine Komplexität erreicht, die wir teilweise nicht mehr im Griff haben. (Komplexität ist nicht dasselbe wie Kompliziertheit – was ist der Unterschied?) Die Kernfrage der nächsten Jahrzehnte wird also wahrscheinlich lauten: Wie können wir die wesentlichen ökologischen wie gesellschaftlichen Systeme gesund halten wesentlich mehr Resilienz ins System bringen und dabei die Fortschritte, die die Menschheit unbestritten erreicht hat nicht zu einem Einsturz bringen. Dies ist eine gewaltige Herausforderung. Ich hoffe, ich werde in diesem Podcast einige Anregungen zum Weiterdenken und eine Brücke für zukünftige Episoden liefern können. Referenzen Hans Rosling, Factfulness Steven Pinker, Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit Gregg Easterbrook, It's Better Than It Looks: Reasons for Optimism in an Age of Fear George Monbiot, Out of the Wreckage Philipp Blom, Was auf dem Spiel steht Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen (Teil 1 und Teil 2) Kate Raworth, Doughnut Economics Johan Rockström et al, Planetary Boundaries (e.g. Nature: A safe operating space for humanity) Big World Small Planet, Johan Rockström, Matthias Klum Johan Rockström, TED Talk: Let the environment guide our development Yuval Noah Harari, Homo Deus Yuval Noah Harari, 21 Lessons for the 21st Century Michael Specter, Denialism Jared Diamond, Kollaps Norman Borlaug, Nobelpreise Acceptance Speech Jeffrey D. Sachs, Kommentar: Es ist nicht genug, einfach mehr Nahrung zu produzieren, Spektrum der Wissenschaft, 11.01.2010 Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur Robert B. Reich, Rettet den Kapitalismus Tim Jackson, Prosperity without Growth
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Folge vom 15.07.2019007 - Alles wird besser... oder nicht? Teil 1Ist die Menschheit auf dem richtigen, oder wenigstens auf einem guten Weg? Wird alles im wesentlichen immer besser? Oder das Gegenteil: sind wir gerade dabei uns systematisch zu zerstören? Diese Frage schließt einerseits unmittelbar an unsere Episode über Fakten, Daten und Wissenschaft an. Eigentlich sollte sie also einfach zu beantworten sein. Es stellt sich heraus: es ist alles gar nicht so einfach und es gibt lautstarke unterschiedlichen Lager. Wir werden erkennen, dass, selbst wenn alle Seiten in einer Diskussion sich tatsächlich auf Fakten berufen, der Schluss, der daraus gezogen werden kann, in vielen Fällen alles andere als trivial ist. »Keine Lüge, die etwas auf sich hält, enthält Unwahres. Was letztlich präpariert wird, ist vielmehr das Weltbild als Ganzes […] Dieses Ganze ist dann weniger wahr, als die Summe der Wahrheiten seiner Teile […] Die Aufgabe derer, die uns das Weltbild liefern, besteht also darin, aus vielen Wahrheiten ein Ganzes für uns zusammenzulügen.«, Günther Anders Lassen wir den Begriff der »Lüge« weg und transformieren wir das Zitat zu: selbst wenn alle Fakten in einer Argumentationskette korrekt sind, kann die Summe, das Ganze irreführend oder gar falsch sein. Und dies muss nicht notwendigerweise aus bösem Willen geschehen. Die Frage, die wir an den Anfang gestellt haben, hat aber eine zweite wichtige Komponente: Narrative. »Menschen sind die Produkte der Geschichten, die sie über sich selbst erzählen, die ihre Gemeinschaft über sich erzählt. Fakten spielen dabei höchstens eine untergeordnete Rolle.«, Philipp Blom »Bewegungen, welche die Welt zu verändern suchen, beginnen oft damit, dass sie die Geschichte umschreiben und die Menschen damit in die Lage versetzen, sich die Zukunft neu auszumalen.«, Yuval Noah Harari Ich denke nicht, dass Fakten in der öffentlichen Diskussion nutzlos oder wirkungslos sind, sie haben nur nicht die Wirkung, wie es sich manche wünschen würden – und das durchaus auch aus guten Gründen, wie wir sehen werden. Es ist daher von großer Bedeutung für gesellschaftlich zentrale Fragen nicht nur die Daten und Fakten kritisch zu hinterfragen, sondern dann auch deren Interpretation und Deutung konstruktiv zu diskutieren. Allzu leicht fällt man hier in zu einfache ideologische Raster. In den beiden Teilen dieser Episode werden wir uns etwas genauer mit den Argumenten »beider Seiten« auseinandersetzen. Denn es erscheint mir wichtig, diesen intellektuellen Konflikt einmal durchzuspielen, da wir einige Prinzipien typischer Probleme des 21. Jahrhunderts erkennen können. Außerdem sind diese Aspekte sind eine wesentliche Motivation für diesen Podcast. Ein paar Thesen, die in späteren Episoden vertieft werden, können vorweggenommen werden: Ohne Wissenschaft und Technologie kann es keine Zukunft für 9-11 Milliarden Menschen geben. Wir haben natürliche Ressourcen weit überstrapaziert und müssen hier dramatisch gegensteuern Auch die menschlichen Systeme haben eine Komplexität erreicht, die wir teilweise nicht mehr im Griff haben. (Komplexität ist nicht dasselbe wie Kompliziertheit – was ist der Unterschied?) Die Kernfrage der nächsten Jahrzehnte wird also wahrscheinlich lauten: Wie können wir die wesentlichen ökologischen wie gesellschaftlichen Systeme gesund halten wesentlich mehr Resilienz ins System bringen und dabei die Fortschritte, die die Menschheit unbestritten erreicht hat nicht zu einem Einsturz bringen. Dies ist eine gewaltige Herausforderung. Ich hoffe, ich werde in diesem Podcast einige Anregungen zum Weiterdenken und eine Brücke für zukünftige Episoden liefern können. Referenzen Hans Rosling, Factfulness Steven Pinker, Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit Gregg Easterbrook, It's Better Than It Looks: Reasons for Optimism in an Age of Fear George Monbiot, Out of the Wreckage Philipp Blom, Was auf dem Spiel steht Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen (Teil 1 und Teil 2) Kate Raworth, Doughnut Economics Johan Rockström et al, Planetary Boundaries (e.g. Nature: A safe operating space for humanity) Big World Small Planet, Johan Rockström, Matthias Klum Johan Rockström, TED Talk: Let the environment guide our development Yuval Noah Harari, Homo Deus Yuval Noah Harari, 21 Lessons for the 21st Century Michael Specter, Denialism Jared Diamond, Kollaps Norman Borlaug, Nobelpreise Acceptance Speech Jeffrey D. Sachs, Kommentar: Es ist nicht genug, einfach mehr Nahrung zu produzieren, Spektrum der Wissenschaft, 11.01.2010 Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur Robert B. Reich, Rettet den Kapitalismus Tim Jackson, Prosperity without Growth
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Folge vom 01.07.2019006 - Messen, was messbar ist?Was ist Wissenschaft? Diese Frage ist erstaunlich schwierig zu beantworten und wir werden uns aus dem Hinterhalt nähern und das Ziel von mehreren Seiten angreifen. Als Basis von empirischen Wissenschaften, also etwa den Naturwissenschaften, gelten Experimente, Daten und messbare Fakten. Versuchen wir unser Glück einmal an dieser Stelle. In dieser Episode ist die ergänzende Frage, die für unsere Zukunft von großer Bedeutung ist: wie hilft sie uns in der Entscheidungsfindung? Denn wir wollen uns nicht alleine in der Theorie verlieren. »Messen was messbar ist, messbar machen was nicht messbar ist« – fälschlich Galileo zugeschrieben – gilt als eines der traditionellen Prinzipien empirischer Wissenschaft. Schon in der Antike wurde fallweise empirisch gearbeitet, wir sehen das am Beispiel von Hippokrates und der Beschreibung der Malaria. Eine wirklich systematische, über verschiedene Disziplinen gehende empirische und statistische Betrachtung der Welt ist allerdings eher der Neuzeit zuzuschreiben. Wir werfen in dieser Episode beispielhaft den Blick auf Erklärungen der Pest im Mittelalter sowie auf Cholera und medizinische Versorgung im 19. Jahrhundert, am Beispiel von Dr. John Snow und Florence Nightingale. Zuletzt reißen wir die wichtige Frage an: wie sieht das Thema Daten und Entscheidungen eigentlich heute aus? Stichwort: Datenüberfluss, Big Data, künstliche Intelligenz? Diese Fragen werden uns noch weiter beschäftigen müssen. Referenzen Hippokrates und die Malaria Cunha CB, et al. J Vector Borne, Brief history of the clinical diagnosis of malaria: from Hippocrates to Osler. Malariasite Johns Hopkins Lecture on Malaria Georgios Pappas et al, Insights into infectious disease in the era of Hippocrates, International Journal of Infectious Diseases Vol 12, Issue 4, (2008) Pest und Erklärungen der Zeit Rosemary Horrox, The Black Death, Manchester University Press (1994) Florence Nightingale The Lady with the Lamp (Wikipedia) Florence Nightingale Museum London Presentation by Prof. Lynn McDonald at Gresham College. (30. Oct., 2014) Florence Nightingale, datajournalist: information has always been beautiful Dr. John Snow (no, not Game of Thrones!) In the time of cholera (BBC) Sandra Hempel, The Medical Detective, Granta Books, London (2006) John Snows Cholera Karte (Wikipedia) Gerd Gigerenzer über Risiko, Bauchentscheidungen und anderes Gerd Gigerenzer im Interview mit Tim Pritlove (Podcast: Forschergeist) Gerd Gigerenzer, Wie trifft man gute Entscheidungen? (Präsentation) Gerd Gigerenzer, Risiko: Wir man richtige Entscheidungen trifft (Buch) Nassim Taleb, Black Swan Aristoteles: Nikomachische Ethik: Genauigkeit Steven Chu über Forschung Byung-Chul Han, Psychopolitik