Louis Brody, geboren 1892 in «Deutsch-Kamerun», war in den Goldenen Zwanzigern der bekannteste Schwarze Filmschauspieler Deutschlands. Seine Nachfahren haben erst vor kurzem erfahren, dass er und seine Familie mit anderen Kolonialmigranten auch gegen Rassismus kämpften.
Brody kam um 1900 ins Deutsche Kaiserreich – so wie hunderte weitere Afrikaner aus den Deutschen Kolonien auch. Als Schauspieler arbeitete er mit Filmgrößen wie Fritz Lang, Alfred Hitchcock und Hans Albers, überlebte mit seiner Familie die Nazizeit und trat bis zu seinem Tod 1951 in Ost-Berlin in über 60 Kinofilmen auf. Oft musste er rassistische Figuren verkörpern: Diener, Bösewichte oder den «primitiven Wilden». Brody war aber auch ein Aktivist. Bereits 1918 forderte er z.B. mit einer Petition «gleiche Rechte» für Schwarze Menschen in Deutschland und in den Kolonien.
FeatureKultur & Gesellschaft
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Die Sendung «Passage» steht für radiophone Exzellenz auf SRF 2 Kultur. Hier verbinden sich Wort und Musik, Ton und Stille.
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Folge vom 06.02.2026Black Power in Deutschlands Goldenen Zwanzigern – Louis Brody
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Folge vom 30.01.2026Von einem, der auszog: Ein junger Schweizer in der Waffen-SSWährend des Zweiten Weltkriegs dienten rund 2000 Schweizer in der Waffen-SS. Darunter auch mein Onkel, der an seinem 17. Geburtstag im Juni 1943 ausriss und illegal über die deutsche Grenze ging. Was waren die Motive solcher Freiwilliger? Erkundung eines unschönen Kapitels der Schweizer Geschichte. In meinem Elternhaus lag ein schmales Buch mit dem Titel «Zur Waffen-SS gezwungen». Mein verstorbener Onkel Franz Grüter beschreibt darin, wie er als Jugendlicher heimlich ins Deutsche Reich ging, weil es ihm zu Hause zu eng war. Er suchte Arbeit in einem Büro, wurde aber bald ins Ausbildungslager der Waffen-SS geschickt. Er desertierte zwei Mal und verbrachte den Rest des Kriegs im Straflager. Was bewog damals junge Leute zum Gang über die Grenze? Faszination für die NS-Ideologie, Naivität oder Abenteuerlust? Eine Spurensuche entlang von persönlichen Dokumenten und Tönen aus dem SRF-Archiv.
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Folge vom 16.01.2026Macht der Musik – der kraftvollste Jazz war immer Widerstand (W)Kein Wunder, wollte der rassistische Drogenfahnder Harry Anslinger nicht nur Billie Holiday zur Strecke bringen, sondern auch «Strange Fruit» auslöschen. Der Song geht unter die Haut: «Die Bäume im Süden tragen seltsame Früchte ... schwarze Körper bewegen sich sanft in der südlichen Brise». Eindringlich beklagt Billie Holiday in «Strange Fruit» die Lynchjustiz. Als sie mit 44 stirbt, von der Drogenfahndung ans Bett gekettet, lebt «Strange Fruit» weiter. Der Song steht am Anfang einer ganzen Playlist von Stücken, die bis heute für den kraftvollsten Jazz steht: den Jazz des Widerstands. Peter Kemper hat die Geschichte der politischen Ästhetik des Jazz kürzlich aufgearbeitet. Er ist zu Gast in der Passage, und zu Wort kommt u.a. auch Matana Roberts: Mit dem mehrteiligen «Coin-Coin»-Projekt ist die non-binäre Saxophonist:in eine der heutigen Erb:innen von Billie Holiday und deren Kampf für mehr Rechte und Gerechtigkeit. Erstsendung: 26.4.2024
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Folge vom 09.01.2026Über die Zuversicht in dunklen ZeitenAngesichts aktueller Krisen macht sich der Autor auf die Suche nach mehr Zuversicht, lotet Möglichkeiten aus, aufgeklärt und informiert zu sein und trotzdem Zuversicht zu fördern. Diese sei dringend nötig, um den Problemen der Gegenwart kraftvoll begegnen zu können. Die Weltkrise ist nur einen Klick entfernt. Klimakatastrophe. Krieg in der Ukraine. Krieg in Gaza. Das Gefühl der eigenen Ohnmacht wird täglich größer. Die Staatsbürgerpflicht zwingt dazu, sich zu informieren. Zugleich paralysiert der starre Blick auf die Nachrichten. Woraus lässt sich in dunkler werdenden Zeiten Zuversicht schöpfen? Es brauche Mut, die Unsicherheit zu akzeptieren, sagt der Publizist Ulrich Schnabel. Für die Philosophin Natalie Knapp ist Zuversicht die Grundvoraussetzung für jeden kreativen Akt, notwendig, damit Neues entstehen kann, wenn das Alte nicht mehr funktioniert.