Lebensmittel retten als Geschäftsmodell – wie das funktioniert, wo es hakt und warum gerettete Produkte manchmal teurer sind als konventionelle, darüber habe ich mit Andreas Diesenreiter gesprochen.Andreas hat zusammen mit seiner Schwester Cornelia 2016 das Unternehmen Unverschwendet gegründet. Was als kleiner Verein begann, bei dem die beiden noch selbst in Wiener Schrebergärten Marillen geerntet und am Schwendermarkt Marmelade verkauft haben, ist heute ein Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitenden, einer eigenen Feinkostmarke und einer Plattform namens Kostbar Markt, die im Auftrag des Ministeriums Lebensmittelüberschüsse an soziale Einrichtungen vermittelt.Diese Folge ist ein Ackerdemics-Spezialformat, aufgenommen als Live-Podcast an der Wirtschaftsuniversität Wien vor 30 Studierenden. Ihre Fragen haben das Gespräch um ehrliche Einblicke ins Unternehmertum bereichert: Wie trifft man Entscheidungen, wenn alles gleichzeitig dringend ist? Wie streitet man produktiv mit der eigenen Schwester? Und wie hält man die Balance zwischen Idealismus und wirtschaftlicher Realität?Andreas erzählt offen, wie frustrierend es sein kann, trotz hunderter Medienauftritte kaum fünf Prozent der Bevölkerung zu erreichen. Wie ernüchternd die Erkenntnis war, dass Bewusstseinsbildung allein das Problem nicht löst. Und warum er trotzdem genau das Gleiche nochmal machen würde. In Österreich fallen jährlich rund 288.000 Tonnen Lebensmittelüberschüsse in der vorgelagerten Kette an. Unverschwendet kann davon bisher nur einen Bruchteil retten. Die Frage, ob das ein Tropfen auf dem heissen Stein ist oder der Anfang von etwas Größerem, zieht sich durch das ganze Gespräch.Viel Freude beim Reinhören!00:00:00 Los gehtsLive-Podcast an der WU Wien mit Studierenden zum Thema Lebensmittelrettung00:02:18 Vom Comic-Zeichner zum GründerAndreas' Kindheit in Steyr, frühe Kreativität und der Weg zum Design-Studium00:09:26 Wie Unverschwendet entstandCornelias Restmüllanalyse in England und die Anfänge als Verein00:15:29 Geschwister-Dynamik und RisikoWarum eine Riesenkarotte am Naschmarkt 10.000 Euro kostet00:20:06 Lebensmittelüberschüsse in Zahlen288.000 Tonnen in der vorgelagerten Kette, eine Million Tonnen gesamt00:29:49 Der Wendepunkt bei 2 Minuten 2 MillionenKein Investment, aber Rewe im Hinterzimmer und der Weg zur Professionalisierung00:38:15 Was lässt sich retten und was nichtKetchup vs. Bruschetta: Warum nicht jeder Überschuss zum Produkt wird00:49:11 Tierische Produkte und Schoko-CornflakesNeue Überschusskategorien und die Geschichte der zu kleinen Cornflakes00:56:01 Gerettet als StandardWarum es ein Prüfsystem wie bei Bio braucht und die EU-Richtlinie gegen Greenwashing01:03:15 Sinn, Geld und albanische CEOsWas Social Business bedeutet und warum Reichwerden nicht das Ziel ist01:14:44 Tropfen auf dem heißen Stein?Über 1.400 Tonnen gerettet, aber eine Million Tonnen Abfall pro Jahr01:27:21 Nochmal machen? Ja. Aber schneller.Rückblick auf zehn Jahre, Kill Your Darlings und Zukunftspläne01:39:02 Kostbar Markt und AusblickNeue Plattform für soziale Einrichtungen im Auftrag des MinisteriumsKurz-Bio Gast:Andreas Diesenreiter ist Mitgründer und Geschäftsführer von Unverschwendet, einem österreichischen Unternehmen, das überschüssige Lebensmittel aus Landwirtschaft und Produktion zu Feinkostprodukten verarbeitet. Gemeinsam mit seiner Schwester Cornelia gründete der Multimedia-Art-Absolvent das Unternehmen 2016 in Wien. Neben der Eigenmarke Unverschwendet Feinkost verantwortet er die Plattform Kostbar Markt zur Lebensmittelweitergabe an soziale Einrichtungen.INFOS ZUR FOLGEUnverschwendet Websitewww.unverschwendet.atKostbar Markt – Plattform für Lebensmittelweitergabewww.kostbarmarkt.atUnverschwendet auf Instagramwww.instagram.com/unverschwendetUnverschwendet auf Facebookwww.facebook.com/unverschwendetUnverschwendet auf YouTubewww.youtube.com/@unverschwendet1107Unverschwendet auf Linkedinwww.linkedin.com/company/unverschwendet###In eigener Sache: Menschen.atIch halte Lebensgeschichten fest, als Audiografie oder Videografie. Für deine Mama, deinen Opa, deinen besten Freund.→ menschen.at###? Bleib verbunden mit BauertothePeople! Membersheep werden:→ Jetzt unterstützen – Hol dir tolle Rabatte, hör den Podcast früher und werbefrei und fördere konstruktiven Journalismus.Newsletter: → Jetzt abonnieren – Erhalte regelmäßig exklusive Insights und Hintergrundinfos direkt in dein Postfach. 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Wissen, Perspektiven & Hintergründe rund um unsere Lebensmittel & die Menschen dahinter. Ehrliche und offene Gespräche direkt auf den Höfen, in den Unternehmen und bei den Menschen zu Hause. Wissen aus erster Hand, ungecoacht und authentisch, von denen, die es wissen müssen. Und ja, ein bisserl Humor darf auch nicht fehlen. Reicht doch, wenn der Rotwein trocken ist.
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Folge vom 12.04.2026B2P-Live "Ackerdemics Edition" - Lebensmittel retten als Geschäftsmodell - Andreas Diesenreiter
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Folge vom 05.04.2026Tiroler Schnitzkunst in BrasilienHolzschnitzen und Bildhauerei in Brasilien – und was das mit Tirol zu tun hat: Ich treffe Werner Thaler in Dreizehnlinden, einem Ort, den österreichische Einwanderer 1933 mitten in den brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina gepflanzt haben.Werner ist Bildhauer. Aufgewachsen in der Werkstatt seines Großvaters, ausgebildet an der Schnitzschule Elbigenalp im Tiroler Lechtal, heute einer der bekanntesten Holzschnitzer und Bildhauer seiner Region. Und ich bin ganz zufällig auf meiner 'glokalen Perspektiven-Tour' durch Brasilien bei ihm gelandet.Das Gespräch geht tiefer, als ich erwartet hatte. Werner erklärt mir, wann Handwerk zur Kunst wird – nämlich dann, wenn eine Skulptur etwas anderes transportiert als das, was man direkt sieht. Eine Hand ist eine Hand. Aber wenn diese Hand Zärtlichkeit bedeutet oder Gewalt andeutet, dann entsteht Kommunikation. Und ohne Kommunikation, sagt er, gibt es keine Kunst. Wer sein Publikum nicht erreicht, trägt dafür selbst die Verantwortung.Wir reden über Auftragskunst und den Eiertanz zwischen Kundenwunsch und eigenem Anspruch. Über den Unterschied zwischen Zirbenholz und Fichtenholz, über warum man ein Modell in Plastilin macht, bevor man ans Holz geht, und warum er ein nasses Holz lieber grob bearbeitet. Über Bienenwachs als Finish. Über Motorsägen mit dünneren Schwertern. Und über die Frage, was bleibt, wenn Maschinen tausend identische Figuren fräsen können.Am Ende sagt Werner: 'Jeder Künstler ist ein bisschen von seinem Zeitalter ein Zeuge.' Das finde ich schön.Viel Freude beim Reinhören!00:00:00 Los gehtsEinleitung: Willy trifft Werner Thaler in Dreizehnlinden, Brasilien.00:02:08 Familie, Herkunft, WerkstattWerners Familie brachte die Schnitzkunst aus Tirol nach Brasilien.00:07:35 Ausbildung in ElbigenalpEin Jahr an der Schnitzschule im Tiroler Lechtal – was das gebracht hat.00:10:18 Talent oder Handwerk?Was man braucht, um Bildhauer zu werden – und was man nicht lernen kann.00:17:01 Was ist Bildhauerei, was ist Kunst?Werner erklärt, wo Handwerk aufhört und Kunst beginnt.00:26:21 Auftrag und künstlerische FreiheitWie man zwischen Kundenwunsch und eigenem Anspruch navigiert.00:32:51 Der ArbeitsprozessVon der Skizze über das Tonmodell bis zum fertigen Holzwerk.00:53:29 Das richtige HolzWelche Holzarten sich zum Schnitzen eignen – in Brasilien und in Österreich.00:58:16 Werkzeuge und TechnikSchnitzeisen, Motorsäge, Schlägel: die Werkzeuge des Bildhauers.01:04:01 Feuchtigkeit, Trocknung, OberflächeNass schnitzen, langsam trocknen, mit Bienenwachs finishen.01:15:35 Kunst als ZeitzeugnisJeder Künstler ist Zeuge seines Zeitalters – Werners Credo.01:21:07 KI, Roboter und die ZukunftWas bleibt vom Handwerk, wenn Maschinen tausend Kopien fräsen können?01:26:00 Rat an junge SchnitzerWas Werner jemandem mitgibt, der überlegt, das Handwerk zu lernen.Kurz-Bio Gast:Werner Thaler ist Bildhauer und Holzschnitzer aus Treze Tílias (Dreizehnlinden) im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina, einem 1933 von Tiroler Einwanderern gegründeten Ort. Er entstammt einer Schnitzerfamilie mit österreichischen Wurzeln und hat seine Ausbildung unter anderem an der Schnitzschule Elbigenalp im Tiroler Lechtal vertieft. Sein Werk umfasst Kirchenfiguren, öffentliche Skulpturen und Denkmäler in ganz Brasilien sowie internationale Aufträge.INFOS ZUR FOLGEWerners Websitewww.wernerthaler.com.brWerner Thaler auf Instagramwww.instagram.com/wernerthaler_escultorWerner Thaler auf Facebookwww.facebook.com/werner.thaler.5Dreizehnlinden – Die brasilianischen Tirolerwww.bauertothepeople.at/podcast/269Website Treze Tillaswww.trezetilias.com.br/deutschSecretaria Municipal de Turismo auf Instagramwww.instagram.com/trezetilias_turismoPrefeitura de Treze Tilias auf Instagramwww.instagram.com/prefeituradetrezetiliasTreze Tílias auf Instagramwww.instagram.com/trezetilias_Karina Pattis Reiter auf Instagramwww.instagram.com/karina.p.reiterTreze Tílias auf Facebookwww.facebook.com/trezetilias1Rádio Tropical FM 99,1 auf Facebookwww.facebook.com/radiotropicalfm99###In eigener Sache: Menschen.atIch halte Lebensgeschichten fest, als Audiografie oder Videografie. Für deine Mama, deinen Opa, deinen besten Freund.→ menschen.at###? Bleib verbunden mit BauertothePeople! Membersheep werden:→ Jetzt unterstützen – Hol dir tolle Rabatte, hör den Podcast früher und werbefrei und fördere konstruktiven Journalismus.Newsletter: → Jetzt abonnieren – Erhalte regelmäßig exklusive Insights und Hintergrundinfos direkt in dein Postfach. B2P Shop: → Merchandise entdecken – Produkte mit Persönlichkeit, die deinen Style unterstreichen. Podcast hören und sehen:→ Apple Podcasts: Jetzt anhören→ Spotify: Jetzt anhören→ YouTube: Jetzt ansehenSocial Media:→ Facebook: bauertothepeople.at→ Instagram: @bauertothepeople→ TikTok: @bauertothepeople→ LinkedIn: BauertothePeopleMusik:„Leit hoits zamm“ – Haindlingthx an Jürgen Buchner „Power to the People“ – Junior Kellythx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records … und ein bisserl selbst gesungen ?thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle Und Jetzt? 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Folge vom 29.03.2026Fische düngen Gemüse – Aquaponik aus SüdtirolDiese Folge ist eine entgeltliche Kooperation mit Südtirol. Die Auswahl der Gesprächspartner erfolgt gemeinsam mit dem Kooperationspartner. Die redaktionelle Freiheit bleibt uneingeschränkt bei Bauer to the People.Aquaponik ist ein Prinzip, das mindestens 1000 Jahre alt ist. Und trotzdem scheitert es an einer 50 Jahre alten Norm. Das hat mich an diesem Gespräch von Anfang an nicht losgelassen.Ich sitze mit Alexander Springeth in einem 250 Jahre alten Bauernhaus mitten in Bozen. Draußen Weinreben, Apfelbäume, Dolomiten. Drinnen erklärt mir jemand, wie afrikanische Raubwelse Salat düngen, wie dieser Salat die Fische am Leben hält – und warum dieses geschlossene System laut EU-Bio-Verordnung (noch) gar nicht existieren dürfte.Alexander ist Tüftler. Aufgewachsen auf einem Bio-Obst- und Weinbaubetrieb, hat er sich früh für Wasser und alles, was darin lebt, interessiert. Sein erster Goldfisch hieß Idefix und hat Selbstmord begangen. Der Weg von dort zum Afrikanischen Raubwels in einer Kreislaufanlage ist kürzer, als man denkt. Gemeinsam mit Roman Rottensteiner betreibt er heute unter dem Namen Almiro eine Aquaponik-Anlage – gegründet als eigenständiger Betrieb auf gepachteter Fläche, weil der Bio-Verband die Zertifizierung des Gesamtbetriebs sonst gefährdet hätte. Ein bürokratischer Umweg, der gleichzeitig eine Lektion darüber ist, was passiert, wenn Innovation auf Normen trifft, die nicht für Innovation geschrieben wurden.Ich wollte verstehen, wie so ein System funktioniert – und Alexander hat sich alle Mühe gegeben, das einem technischen Laien zu erklären. Von Ammonium über Nitrit bis Nitrat, von Biofiltern und Styrodurplatten bis zum Suprabranchialorgan des Wels, mit dem er Luft atmen kann. Was ich besonders interessant fand: Der Fisch ist das sensible Messinstrument der ganzen Anlage. Wenn die Welse oben schwimmen und fressen, passt alles. Wenn sie am Boden liegen, stimmt was nicht.Wir reden auch darüber, warum der Wels im deutschsprachigen Raum ein Renner ist, bei der italienischsprachigen Bevölkerung Südtirols aber kaum ankommt. Und darüber, was es bedeutet, wenn Tüftler auf Systeme treffen, die für das, was sie tun, einfach keine Kategorie haben.Viel Freude beim Reinhören!00:00:00 Los gehtsEinleitung, Kooperationshinweis Südtirol, Vorstellung Alexander Springeth00:04:14 Der elterliche Hof in BozenBio-Obstbau, Weinbau, Schwefelkalkbrühe und Pflanzenschutz im Überblick00:11:13 Südtiroler Wein und ÄpfelVom Massenprodukt zur Qualität: Lagrein, Spindelbäume und Genossenschaft00:17:00 Wie Almiro entstandZweites Standbein, die Bioland-Hürde und die bürokratische Lösung00:26:11 Tüftler mit WasseraffinitätKindheit am Teich, Koi-Leidenschaft und der Weg zur Aquaponik-Anlage00:36:19 Was ist Aquaponik?Definition, Prinzip, Vor- und Nachteile von Aquakultur und Hydroponik00:44:03 Wie der Kreislauf funktioniertAmmonium, Nitrit, Nitrat: der biologische Filter und die Pflanzenbecken01:00:23 Der Afrikanische RaubwelsWachstum, Futter, Besatzdichte, Luftatmung und Tierverhalten01:21:00 Anlage, Energie und WirtschaftlichkeitStromverbrauch, Baukosten, Wasserverbrauch und Skalierbarkeit01:45:09 Ernte, Schlachtung und VermarktungEiswassermethode, Kiemenschnitt, Hauslieferung und Gastrokunden02:09:00 Tierwohl beim FischIntelligenz, Erkennen von Personen, Besatzdichte als Wohlfahrtsfrage02:17:09 Zukunft der LandwirtschaftVision, Brain Drain, Bürokratie und was sich am Lebensmittelsystem ändern müsste02:33:52 Kühlschrank, Spruch und AbschlussWas steckt im Kühlschrank, Abschlussquotes und DankKurz-Bio Gast:Alexander Springeth ist Landwirt und Tüftler aus Bozen, Südtirol, und Mitgründer von Almiro – einem Aquaponik-Betrieb, der Fischzucht und Gemüseanbau in einem geschlossenen Wasserkreislauf kombiniert. Gemeinsam mit Roman Rottensteiner produziert er auf 240 Quadratmetern Afrikanische Raubwelse und eine breite Palette an Kräutern und Gemüse. Er befindet sich in Ausbildung zum Facharbeiter und Meister in Aquakultur am Bundesamt für Wasserwirtschaft in Scharfling.INFOS ZUR FOLGEALMIRO – Der Garten Eden (Alexander Springeth & Roman Rottensteiner)www.almiro-aquaponics.comSüdtirol Tourismuswww.suedtirol.infoBundesamt für Wasserwirtschaft Scharfling – Ausbildung Aquakulturwww.baw.at/aus-und-weiterbildung.htmlALMIRO auf Instagramwww.instagram.com/almiro_aquaponicsALMIRO auf Facebookwww.facebook.com/profile.php?id=61555273226661Südtirol auf Instagramwww.instagram.com/suedtirol.officialSüdtirol auf Facebookwww.facebook.com/suedtirol.officialSüdtirol auf Linkedinwww.linkedin.com/showcase/suedtirol-officialSüdtirol auf YouTubewww.youtube.com/@suedtirol.official###In eigener Sache: Menschen.atIch halte Lebensgeschichten fest, als Audiografie oder Videografie. 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Folge vom 22.03.2026KI am Schlachtband - Was Schweinewohl wirklich kostetKI am Schlachtband, Kameras, die Schweineschwänze vermessen — und ein Tierarzt, der seit über 35 Jahren versteht, was Schweine brauchen und was wir ihnen verweigern.Johannes Baumgartner von der Vetmeduni Wien forscht im EU-Projekt aWISH daran, das Tierwohl von Millionen Mastschweinen mit digitalen Mitteln sichtbar zu machen. Der Schweineschwanz spielt dabei die Hauptrolle. Nicht weil er spektakulär ist, sondern weil er als sogenannter Eisbergindikator das gesamte Leben eines Tieres in einem einzigen Merkmal zusammenfasst: Ist er intakt, ist vieles gut. Ist er es nicht, steckt ein Problem dahinter — auch wenn man von außen nicht sieht, welches.Ich wollte verstehen, wie man Tierwohl mit einer Kamera misst. Was ich bekommen habe, ist mehr: ein nüchternes Bild davon, wie weit Wissenschaft, Technologie und Praxis noch voneinander entfernt sind. Beim Schweineschwanz funktioniert die Messung schon erstaunlich gut — 99 Prozent Übereinstimmung mit den manuellen Referenzwerten. Bei Hautläsionen oder Lungengesundheit ist man noch weit davon entfernt, weil selbst Experten dieselben Bilder unterschiedlich beurteilen. Was als Ground Truth gilt, ist oft nur ein gut begründeter Schätzwert.Was mich an dem Gespräch beschäftigt hat: Johannes hat nach 35 Jahren eine klare Haltung, aber keine Vereinfachungen. Er sagt, ein gutes Schweineleben ist im Rahmen eines Haltungssystems möglich — aber dann erklärt er auch, dass ein Mastschwein mit 110 Kilogramm im gesetzlichen Mindeststandard 0,75 Quadratmeter Fläche hat. Und dass mehr als 90 Prozent aller österreichischen Mastschweine schwanzkupiert sind, obwohl das seit 1991 EU-weit routinemäßig verboten ist. Das sind keine Anklagen, das sind Fakten — und sie machen den Abstand zwischen Anspruch und Realität sehr greifbar.Am Ende bleibt die Frage, wer eigentlich zahlt. Nicht nur im wörtlichen Sinn.Viel Freude beim Reinhören!00:00:00 Los gehtsIntro und Vorstellung: KI, Kameras und der Schweineschwanz als Tierwohl-Messer.00:03:34 Warum Tierarzt?Von der TV-Serie Daktari zur Empathie für Nutztiere — Johannes' Weg.00:08:27 35 Jahre SchweinWas ihn antreibt: die Lücke zwischen Wissenschaft und Haltungsrealität.00:11:25 Das EU-Projekt aWISH28 Partner, 11 Länder, 6 Pilotschlachthöfe — was das Projekt will und kann.00:17:54 Der EisbergindikatorWarum der Schweineschwanz so viel über das gesamte Tierleben verrät.00:25:10 Schwanzbeißen & IntensivierungWie die Industrialisierung der Tierhaltung zu Verhaltensstörungen führt.00:36:43 Was ist Tierwohl?Ein Kontinuum aus Gesundheit, Emotion und Natürlichkeit — keine Ja/Nein-Frage.00:46:54 Wie funktioniert die Messung?Kameras, 3D-Bildgebung und Ground Truth: das technische System im Detail.00:58:10 Grenzen des SystemsHautläsionen, variable Schlachthöfe, fehlende Referenzwerte — wo KI scheitert.01:06:08 Wer profitiert — und wer zahlt?Geschäftsmodelle, Förderlogik und die Frage, was Schweinefleisch kosten darf.01:20:11 Datenschutz & KontrolleRisikobasierte Betriebskontrollen und die Datenfrage in der Praxis.01:26:04 Das blinde Fleck: FalltiereTiere, die nie in die Lebensmittelkette gelangen — ein übersehenes Tierschutzthema.Kurz-Bio Gast:Johannes Baumgartner ist Assistenzprofessor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wo er das Fachgebiet Schwein und Precision Livestock Farming leitet. Er ist Diplomate des European College of Animal Welfare and Behavioural Medicine und forscht seit über 35 Jahren zu Verhalten, Haltung und Tierschutz beim Schwein sowie zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung. Im EU-Horizon-Projekt aWISH arbeitet er mit internationalen Partnern daran, Tierwohl-Indikatoren am Schlachtband automatisiert und KI-gestützt zu erfassen.INFOS ZUR FOLGEJohannes Baumgartner — Vetmeduni Wien (Profil)www.vetmeduni.ac.at/tierschutzwissenschaften/ueber-uns/mitarbeiterinnen/baumgartner-johannesVetmeduni Wien — Fachbereich Tierschutzwissenschaften und Tierhaltungwww.vetmeduni.ac.at/tierschutzwissenschaftenEU-Projekt aWISH (Animal Welfare Indicators at the Slaughterhouse)www.awish-project.euaWISH auf CORDIS (EU-Projektdatenbank)www.cordis.europa.eu/project/id/101060818/reportingCLK GmbH — PigInspector (Kamerasystem für Schlachtschweine)www.clkgmbh.de/en/food/piginspectorPrecision Livestock Farming — Wikipedia (deutsch)https://de.wikipedia.org/wiki/Precision_Livestock_FarmingAMA-Marketing — Masterplan Schwein / Tierwohl-Schweinehaltungwww.ama.atVIER PFOTEN — FAQ Schweinehaltung Österreichwww.vier-pfoten.at/ueber-uns/faq/faq-schweinehaltung###In eigener Sache: Menschen.atIch halte Lebensgeschichten fest, als Audiografie oder Videografie. 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